Zur Depot‑ vs. Tabletten‑Logik – eine sachliche Einordnung
Wie ist diese Tabelle zu verstehen?
Ich habe hier einen
vereinfachten Kostenvergleich über 34 Jahre gemacht, angelehnt an den realen Lebenszyklus von
Risperdal, das Anfang der 1990er (ca. 1992) auf den Markt kam und bis heute (2026) in verschiedenen Formen eingesetzt wird.
Die
34 Jahre sind also kein Zufallswert, sondern orientieren sich an der realen Marktgeschichte von Risperidon.
Cariprazin – theoretisches Vergleichsmodell
Für
Cariprazin habe ich ein
Gedankenexperiment gemacht:
Was wäre, wenn Cariprazin ebenfalls schon 1992 auf den Markt gekommen wäre –aber es hätte nur ein einziges Depot, nämlich ein 2‑wöchiges Depot, gegeben?
Annahmen dabei:
- Nach Ablauf der Patente wird konsequent auf Generika umgestellt
- Das gilt sowohl für Tabletten als auch für das Depot
- Es gibt keine dauerhafte Bindung an teure Original‑Depots
- Depotanteil moderat (20 %)
Das Modell zeigt also,
wie sich die Kosten entwickeln würden, wenn nach Patentablauf tatsächlich ein
Preisverfall stattfindet – so wie man es von Generika eigentlich erwartet.
Risperidon / Paliperidon – reale Pipeline
Beim
Risperidon/Paliperidon habe ich dagegen die
tatsächliche Produktentwicklung berücksichtigt:
- Risperdal (Tablette)
- Risperdal Consta (2‑wöchiges Depot)
- Xeplion (4‑wöchig)
- Trevicta (3‑monatlich)
- Hafyera (6‑monatlich)
- Okedi (wieder 4‑wöchig)
Der entscheidende Unterschied:
Beim Depot findet praktisch keine echte Umstellung auf günstige Generika statt.
Auch wenn formell Generika existieren:
- sie kosten nahezu gleich viel
- es gibt keine Austauschpflicht
- viele Patient:innen bleiben jahrelang auf teuren Depots
Deshalb wird im Modell angenommen, dass der Depotanteil
über die restlichen 22 Jahre auf einem
durchschnittlichen Originalpreisniveau bleibt.
Was zeigt der Vergleich?
- Beide Modelle starten gleich (12 Jahre Original‑Tablette)
- Danach trennen sich die Wege:
- Cariprazin fällt nach Patentablauf klar in günstige Generika
- Risperidon/Paliperidon bleibt durch die Depot‑Pipeline dauerhaft teuer
- Schon bei 20 % Depotanteil entstehen über 34 Jahre Milliarden Mehrkosten
- Bei 35 % Depotanteil (realistisch in der Praxis) dehnt sich dieser Effekt massiv aus
Bezugsgröße
Die Rechnung bezieht sich auf
500.000 Patient:innen, was etwa
0,5 % der deutschen Bevölkerung entspricht und gut zur Größenordnung der tatsächlich behandelten Menschen mit Schizophrenie passt.
Vergleich Cariprazin vs. Risperidon/Paliperidon
Eingesetzte Modelle
- Cariprazin (das Referenz-Modell):
- 12 Jahre Original Tablette: 150 €/Monat (100%)
- 8 Jahre: 80% Gen-Tab 30 €/Monat + 20% Original-Depot 300 €/Monat
- 14 Jahre: 80% Gen-Tab 30 €/Monat + 20% Gen-Depot 50 €/Monat
- Risperidon/Paliperidon (Pipeline-Modell):
- 12 Jahre Original Tablette: 150 €/Monat (100%)
- 22 Jahre: Gen-Tab 30 €/Monat + Depot bleibt Originalpreis Ø 400 €/Monat
- Depotanteil als 20% (fair) vs. 35% (praxisnah)
Ergebnis-Tabelle
| Modell | Depotanteil | Gesamt pro Patient (34 J.) | (Ø €/Jahr) | Gesamt für 500.000 | Mehrkosten vs. Cariprazin |
|---|
| Cariprazin | 20% (ab Jahr 13) | 35.376 € | (1.040 €/Jahr) | 17,688 Mrd. € | — |
| Risperidon/Paliperidon | 20% | 49.056 € | (1.443 €/Jahr) | 24,528 Mrd. € | +6,840 Mrd. € |
| Risperidon/Paliperidon | 35% | 63.708 € | (1.874 €/Jahr) | 31,854 Mrd. € | +14,166 Mrd. € |
Kurzinterpretation (ohne Meinung, nur Mechanik)
- Cariprazin fällt nach Patentablauf konsequent in günstige Generika (Tab + Depot).
- Risperidon/Paliperidon bleibt in deinem Pipeline-Modell Depot-preisstabil (Originalpreise) über die restlichen 22 Jahre—und genau das treibt die Mehrkosten.