Schnelle Metabolisierung
Ich z. B. nehme seit dem Ausbruch meiner Erkrankung im Jahr 2012 Quetiapin 650mg. Das ist ein mittelpotentes Neuroleptikum mit relativ wenigen Nebenwirkungen, dafür aber auch mit nicht so einer starken antipsychotischen Wirkung. Clozapin ist auf die psychotischen Symptome betrachtet das mit Abstand wirksamste NL.
Clozapin wirkt bei TRZ Therapieresistenz, ist aber ansonsten von der Akutwirkung eher schwach, von daher lässt sich das ganz schwer sagen, ob ein Wirkstoff "stark" oder "schwach" ist, da jeder etwas anderes darunter versteht. Der Eine meint den absoluten PANSS-Score, der Andere die Geschwindigkeit der Akutwirkung, der andere die Wirkung bei Therapieresistent. Also auch die Studienlage ist schwierig.
Deutsche Netzwerk-Metaanalyse von Stefan Leucht und Kollegen, die im Rahmen des
Deutschen Kompetenznetz Schizophrenie (BMBF-finanziert) entstanden ist. In dieser Arbeit schnitten
Ziprasidon und Clozapin im direkten Vergleich der Wirksamkeit bei akuter Schizophrenie am schlechtesten ab. Clozapin bleibt aber die Ausnahme bei
Therapieresistenz, wo es weiterhin als Goldstandard gilt.
🧠 Ergebnisse
- Alle Antipsychotika waren wirksamer als Placebo.
- Wirksamkeitsranking (SMD):
- Amisulprid (0,66), Olanzapin (0,59), Risperidon (0,56) → obere Gruppe.
- Clozapin (0,88, aber nur in TRS relevant) und Ziprasidon (0,39) → im Vergleich schwächer bei akuter Schizophrenie.
- Interpretation:
- Clozapin wirkt nicht besser als andere Antipsychotika in der Akuttherapie.
- Seine Sonderstellung liegt in der Therapieresistenz, wo es als einziges klar überlegen ist.
- Ziprasidon zeigte insgesamt die geringste Effektstärke.
📊 Vergleich (aus der Metaanalyse)
| Wirkstoff | Effektstärke (SMD) | Kommentar |
|---|
| Amisulprid | 0,66 | Sehr konsistent wirksam |
| Olanzapin | 0,59 | Hohe Wirksamkeit, aber starke Nebenwirkungen |
| Risperidon | 0,56 | Solide, häufig eingesetzt |
| Clozapin | 0,39–0,88* | Schwach in Akuttherapie, stark bei TRS |
| Ziprasidon | 0,39 | Niedrigste Effektstärke |
\*Clozapin zeigte in Akutstudien schwache Effekte, aber in TRS-Studien deutliche Überlegenheit.
@meinkind, bei Therapieresistenz sind vor allem jene Wirkstoffe mit starker D4 Wirkung bedeutsam und da dein Sohn ja Clozapin bekommt, müsste man für eine Monotherapie sich eines dieser Wirkstoffe aussuchen die einen möglichst kleinen nM-Wert bei D4 haben.
Da man Clozapin (Monotherapie) nur bei Therapieresistenz einsetzen sollte, nach mehreren Versuchen mit anderen Antipsychotika, müsste dein Sohn ja TRZ gezeigt haben.
Amisulprid könnte demnach bei einer Umstellung von Clozapin auf Monotherapie trotz starker D2 und D3 Wirkung zu schwach sein, da die D4 Wirkung fehlt, die bei Therapieresistenz bedeutsam ist.
Wirkstoffe mit starke D4 Wirkung wären
Aripiprazol(sehr gut verträglich), Olanzapin(ähnliche Nebenwirkungen wie Clozapin und das Clozapin selbst. (siehe Tabelle).
Bei einer echten Therapieresistenz sollte also Aripiprazol
Monotherapie besser funktionieren, wenn dein Sohn gut darauf anspricht.
Hat er schon mal Aripiprazol bekommen?
Bei Akathisie, was bei Aripiprazol häufiger vorkommt, sollte man etwa die Dosis reduzieren, da Aripiprazol bereits ab 2–5 mg sehr wirksam sein kann. (5 mg ist die kleinste Tablettendosis für Schizophrenie)
Geringe Dosierungen von 5 bis 10 mg sind also zu bevorzugen und Akathisie spricht für eine zu hohe Dosierung, da ab 80 % D2 Blockade Akathisie vermehrt auftritt. (Bei Cariprazin verhält sich das etwa anders)
Aripiprazol würde sich auch in Kombi mit gering dosierten Clozapin eignen, falls Aripiprazol in Monotherapie trotzdem zu schwach wäre. Alternativ könnte dein Sohn dann auch Quetiapin (unter 150 mg) statt Cariprazin als Add-on verwenden, da Quetiapin deutlich verträglicher ist und bis auf die D4 Wirkung (die Aripiprazol moderat abdeckt) Quetiapin auch ein ähnlich breites Rezeptorprofil wie Clozapin hat. Gering dosiertes Quetiapin möglichst nur vorübergehend über wenige Monate (etwa bei Schlafstörungen).
Monotherapie Aripiprazol hat normal weniger Nebenwirkungen und man ist flexibler auch später mal die
Intervalltherapie mit Bupropion zur Stabilisierung (von mir entwickelt) auszuprobieren um langfristig nur sehr wenig Antipsychotika zu benötigen und deutlich mehr Lebensqualität zu haben.
Unten die rechte Spalte (D4) ist bei Therapieresistenz besonders wichtig.
Je größer der Wert in der Tabelle, umso schwächer ist die Wirkung am jeweiligen Rezeptor. Clozapin ist etwa D2 schwach, was für die normale antipsychotische Wirkung wichtig ist.
Amisulprid + Clozapin ergänzt sich zwar gut, um Clozapin reduzieren zu können, aber auf Monotherapie umzustellen könnte schwer sein, da Amisulprid eben allein für sich D4 schwach ist:
Kurzantwort: Ich habe die besten verfügbaren
in‑vitro Ki‑Werte (nM) für
D2, D3 und D4 zusammengestellt; viele Werte variieren zwischen Studien — ich gebe deshalb
Bereiche und markiere Unsicherheiten.
Nutze diese Zahlen als Referenz‑Anhaltspunkte, nicht als exakte klinische Spiegel.
Vergleichstabelle (Ki in nM; niedrigere Zahl = höhere Affinität)
| Wirkstoff | D2 (nM) | D3 (nM) | D4 (nM) |
|---|
| Amisulprid | 2.8–4.0 | 3.0–6.0 | >1000 (vernachlässigbar) |
| Ziprasidon | 0.5–5.0 | 10–50 (variabel) | 100–1000 (gering) |
| Flupentixol | 1–10 (ältere Daten, variabel) | 10–100 (unsicher) | 50–500 (unsicher) |
| Clozapin | 100–200 | 300–700 | 20–40 (relativ hohe D4‑Affinität) |
| Quetiapin | 100–300 | 300–1000 | 1000–3000 (sehr schwach) |
| Aripiprazol | 0.3–1.0 | 0.5–1.5 | 30–60 (moderat) |
| Brexpiprazol | 0.5–2.0 | 1–10 | 50–200 (gering‑moderat) |
| Cariprazin | 0.4–1.0 | 0.05–0.2 (D3‑präferent) | >100 (nicht primär) |
| Lurasidon | 0.9–2.0 | >50–100 | >1000 (vernachlässigbar) |
| Risperidon | 2–6 | 10–50 | 50–150 (gering) |
| Paliperidon | 2–10 | 10–100 | 50–200 |
| Olanzapin | 8–15 | 50–200 | 10–40 (relativ hohe D4‑Affinität) |
Wichtig: Werte sind aus unterschiedlichen in‑vitro Radioliganden‑Assays (Ki) entnommen; Assaybedingungen, Radioligand, Spezies und Labor beeinflussen absolute Zahlen. Bereiche spiegeln diese Heterogenität und Literaturunsicherheit wider.
Erläuterung und praktische Interpretation
- Clozapin und Olanzapin zeigen in mehreren Profilen relativ niedrige Ki‑Werte am D4 (also höhere Affinität) — das erklärt die oft diskutierte D4‑Komponente ihrer Pharmakologie; Clozapin ist hier am konsistentesten beschrieben.
- Amisulprid ist sehr selektiv für D2/D3 (niedrige nM‑Werte) und hat praktisch keine klinisch relevante D4‑Bindung.
- Cariprazin ist klar D3‑präferent (extrem niedrige D3‑Ki), D4‑Bindung ist nicht dominant; das unterscheidet es funktionell von klassischen Atypika.
- Aripiprazol zeigt moderate D4‑Affinität in einigen Profilen, aber seine klinische Wirkung wird primär durch D2/D3‑Partialagonismus und 5‑HT‑Aktivität bestimmt.
- Ältere typische Neuroleptika (z. B. Flupentixol) haben oft starke D2‑Affinität; D4‑Daten sind heterogen und stammen häufig aus älteren Assays — daher unsicher.