Sohn 17 leidet unter paranoider Schizophrenie

Liebe Sabrina,
ja es ist tatsächlich so, dass man als Angehörige allein gelassen wird. Das hängt aber vor allem mit dem neuen Betreuungsgesetz zusammen, das seit 1.1. 2023 in Kraft ist. Die Ärzte würden sicher oft gerne mehr tun aber ohne die Zustimmung des Betroffenen dürfen sie das nicht mehr. Wir haben zwar erreicht, dass mein Sohn inzwischen einen gesetzlichen Betreuer hat aber das nützt uns aktuell auch recht wenig. Der Betreuer war bei uns (ein sehr freundlicher Mensch) und hat lange mit uns gesprochen und uns klar gemacht, dass er, obwohl alle Lebensbereiche (einschließlich des Aufenthaltsbestimmungsrechts) meines Sohnes unter gesetzliche Betreuung gestellt wurden, nichts ohne die Zustimmung meines Sohnes anordnen darf. Es gibt keine Zwangseinweisung mehr außer bei Fremd- oder Eigengefährdung. Und selbst dann dürfen die Ärzte in der Klinik nicht zwangsweise Medikamente verabreichen, wenn der Patient das ablehnt.
Mein Sohn hat den Betreuer vor längerer Zeit einmal kurz rein gelassen und als er nochmal zu einem Hausbesuch kommen wollte, sagte mein Sohn zu meinem Lebensgefährten, er wünsche keine Besuche, der Betreuer könne ihm ja eine E-Mail schreiben.
Mein Partner hat meinem Sohn mehrmals dieselben homöopathischen Mittel gegeben, die er vor zehn Jahren von seiner Psychiaterin begleitend zu dem Neuroleptikum bekam. Nur diese ist er bereit zu nehmen. Sie haben auch geholfen und die Situation verbessert aber sie reichen allein nicht aus. Da mein Sohn aber nicht mehr bereit ist, zu seiner Psychiaterin zu gehen, können wir nicht mehr tun.
Ich fühle sehr mit dir, man ist oft völlig am Ende. Trotzdem: denke nicht nur, dass alles immer schlimmer wird und male dir nicht aus, was alles passieren könnte. Das hilft dir nicht. Du machst dich damit fertig. Ich habe mir in den letzten Jahren viele Horrorszenarien mit meinem Sohn vorgestellt und befürchtet, bis jetzt ist keines davon eingetreten, wenn ich zurückblicke. Ich weiß, es ist brutal schwer in so einer Situation aber wir müssen auch anerkennen, dass es so etwas wie Schicksal gibt und wir nicht alles im Leben steuern können. Es passieren auch vielen Menschen ohne Psychose plötzlich schlimme Dinge, die sie nicht unter Kontrolle haben.
Ich lerne jeden Tag, mich von meinen Sorgen und Befürchtungen und Horrorvorstellungen hin zu etwas Vertrauen zu bewegen. Es kann auch wieder gut werden - vielleicht nicht mehr so wie vorher aber wesentlich besser als jetzt.
Liebe Grüße,
Nina
Vielen lieben Dank Nina für deine lieben Worte... es hilft mir enorm wenn da jemand ist, der damit einen Umgang gefunden hat und mir Tipps gibt meinen Umgang damit zu optimieren, vielen Dank dafür