Autismus und Schizophrenie

@Maggi

Danke für deinen Beitrag.

Ich versichere dir, dass er sein Medikament nicht absetzen wollte. Ich glaube, ein großes Problem zwischen uns beiden ist, dass wir beide jeweils für den anderen oft über unsere Grenzen gehen und das kann verheerende Folgen nach sich ziehen - so wie neulich dann. Ich denke, er wollte den Tag nicht verschlafen und lieber mit mir verbringen, so wie er auch lieber die Nacht bei mir für mich geblieben ist, statt lieber in der Nacht aufzubrechen und nach Hause zu fahren, um die volle Dosis nehmen zu können. Wir beide wussten nicht, was für Folgen das haben kann und mir wird auch jetzt erst klar, wie oft ich mich auch für ihn überlastet habe, obwohl er dies nicht einmal einfordert. Wir "klebten" sehr aneinander. Um so schmerzvoller ist dieser cut. Ich habe wirklich Angst, dass er denkt, ich sei nicht gut für ihn und es nicht noch weiter mit mir versuchen will. Ich will auf jeden Fall. Ich liebe ihn, komme was wolle..

Leider geht seine Schwester auf Fragen meinerseits, die ihn betreffen, nicht mehr ein. Sie lehnt auch Tipps gegenüber anderen Medikamenten ab. Mein Partner sei versorgt und in guter ärztlicher Behandlung. Dh ich wurde gerade gänzlich aus seinem Leben gesperrt. Ich glaube aber mittlerweile, dass seine Schwester lediglich für sich sorgt, weil es ihr einfach zu viel ist (auch emotional) zwischen ihm und mir zu vermitteln. Ich akzeptiere das jetzt.

Ich habe mir nun viel Unterstützung geholt, so dass ich die Zeit gut bewältigen kann. Ich werde sehr wenig alleine sein, ich erstelle mir einen fünf Punkte Plan, für die Momente, in denen mich der Schmerz wieder überrollen wird. Die Momente kommen und gehen, ähnlich wie Geburtswehen.

Ich lasse ihn auf jeden Fall. Und ich bewältige einen Tag nach dem anderen, versuche, so wenig wie möglich an die Zukunft zu denken. Es hilft mir auch, mich mit seiner Erkrankung zu beschäftigen. Ich bin auch geradezu erstaunt darüber, wie viele Menschen jetzt für mich da sind. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ach so.. Er hat schon eine Weile den Pflegegrad 3 und erhält zusätzlich zum üblichen Betrag noch Geld durch eine Pflegeversicherung. Er meinte lange, dass er Börsenhändler sei und noch ein Konto mit mehreren tausend Euro verdient hätte. Wie sich nun herausstellte, stimmt das nicht wirklich, aber er glaubte es. Also kurzum: er ist arbeitslos. Das ist auch gut. Arbeiten gehen, wäre zu viel, fürchte ich. Aus seinen Erzählungen weiß ich, dass er noch nie länger als acht Monate irgendwo arbeiten konnte.

Als er 20 Jahre alt war, hat sich eine schwere Erschöpfungsdepression bei ihm entwickelt. Das ging so weit, dass er einmal fast gestorben wäre (dehydriert).

In schlimmen Phasen, kann er sich nicht bewegen und sich nicht einmal eine Flasche öffnen (stupor). Er versuchte auch, vor mir die Schwere seines Zustandes zu verbergen. Das war natürlich kontraproduktiv, aber er wusste es nicht besser und hat auch daraus gelernt. Er war immer wieder überrascht darüber, dass ich das, was er mir anvertraut, immer so wertfrei annehme. Trotzdem vergaß er das auch immer wieder, dass er das bei mir kann.

Das ging sogar so weit, dass er glaubte, ich will ihn manipulieren, hätte schwere emotionale Probleme und wäre unehrlich und würde ihn ausnutzen, wäre passiv aggressiv, würde ihm mit Absicht wehtun wollen und glaubte mir in Konfliktsituationen kein Wort. Außerdem erzählte er mir, als er 30 Jahre alt war, dass er seine Freunde von früher in seinem Kopf höre und dass er auch manchmal mich höre, wenn ich nicht bei ihm bin. Ich habe das absolut nicht bewerten können und nahm an, er meint, dass er sich seine Freunde von früher nur vorstellte.

Nachdem sich jemand, den wir beide kennen, das Leben nahm, erzählte er mir, dass er ihn sieht, wie er ihm wortlos zuwinkt bzw ihn zu sich winkt. Er meinte, der Verstorbene würde ihn dazu überreden wollen, sich umzubringen, aber mein Partner winkte immer ab. Er hatte einen starken Glauben an einen Gott, mit dem er auch sprach und er meinte, dass er das Spiel zu Ende spiele und Gott entscheidet, wann er gehen soll.

Irgendwann gesellte sich noch jemand für ihn Wichtiges in seinem Kopf dazu.

Er meinte, seine eingebildete Realität fing an, als er 22 Jahre alt war und wurde mit der Zeit immer schlimmer. Die Knallgeräusche, die er regelmäßig hörte, konnte er aber klar abgrenzen.

Er ist heute 33 Jahre alt.

Lithium hat ihm übrigens mehr geholfen als Venlafaxin, aber wirklich gut wurde es trotzdem nicht. Er lebte all die Jahre über seinen Grenzen. Mir war das Ausmaß einfach nicht klar.