Hilfe! Mein Bruder hat eine Psychose!
Das ist aber so schon richtig - solange er akut keine Gefahr für sich oder andere darstellt, ist da schwer was zu machen. Meine Partnerin war auch akut psychotisch, ist irgendwann sogar aus dem Fenster gesprungen und abgehauen - als ich dann den Notarzt angerufen habe, wurde mir auch erstmal gesagt, dass aus dem Fenster springen und weglaufen erst einmal keine Selbstgefährdung sei. Natürlich hatte ich auch unglaubliche Angst, dass sie vor's Auto rennt und alles, denen das dann auch geschildert und wurde dann mit der Polizei verbunden, die kam dann auch, aber es war schon eindeutig, dass das theoretisch für die keine Selbst- oder Fremdgefährdung war. Nun war meine Partnerin nicht aggressiv (stellt sich aber auch die Frage, ob gegen den Türrahmen hauen als Risiko zur Fremdgefährdung zählen würde, in erster Linie wollte er ihr ja helfen mit dem Auflegen, auch wenn's wirr ist) und meine Partnerin ist auch freiwillig dann mit in die Klinik. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob der Notarzt (von der Polizei gerufen) sie überhaupt hätte mitnehmen dürfen, sie haben immer wieder nach ihrem Einverständnis gefragt. Ich würde aber eine Zwangseinweisung wirklich unter allen Umständen vermeiden wollen, das ist total traumatisierend (die Akutstation an sich ist schon traumatisierend, jetzt noch festgeschnallt schlimmstenfalls dahingefahren zu werden wird deinen Bruder wahrscheinlich nur mehr schaden). Ich kann aber natürlich auch total verstehen, wie schwer das für euch ist. Was ich gelernt habe, ist, den Wahn und die Halluzinationen nicht wegnehmen zu wollen, das treibt sie nur weiter rein. Also nichts sagen mit "Aber das ist so nicht/guck doch mal, das ist anders" etc. etc. etc., da wird er nur noch mehr Misstrauen euch gegenüber haben. Habt ihr schonmal versucht, bisschen "in den Wahn einzusteigen"? Vielleicht wenn er von den Schmerzen spricht (von den Flammen) ihm sagen, da würdet er ihm gerne helfen und zum Arzt mit ihm gehen wollen? Dass der vielleicht Tabletten hat gegen diese "Flammen"? Oder irgendwo anders in seinem Wahn ansetzen, wo ihr seht, da hat er Leidensdruck und darüber vielleicht versuchen, ihm Ärzte/Medikation nochmal näherzubringen. Ich wäre mit Antipsychotika aber auch vorsichtig, die haben sehr viele Nebenwirkungen in den Standarddosierungen (sind meistens zu hoch), wenn er davor Angst hat, kann man vielleicht mit ihm verhandeln, was zur Beruhigung einzunehmen und vielleicht eine kleine Dosis Antipsychotika, aber halt dann erwähnen, dass ihr das nicht machen wollt, weil seine Realität nicht wahr ist und ihr das weghaben wollt, sondern weil ihr seht, er leidet. Wenn er das halt nicht tut, dann... wird's schwer. Sozialpsychiatrischer Dienst ist da bestimmt eine gute Anlaufstelle, die wissen vielleicht besser, wie man an akut psychotische Menschen herankommt.
Bis dahin: versuchen, gelassen zu bleiben, auch wenn's schwer ist. Umso mehr Angst und Anspannung etc. ich hatte, umso schlimmer wurde die Psychose meiner Partnerin. Psychotische Menschen sind ja unheimlich sensibel, die merken sowas sofort und dann bekommen sie nur noch mehr Angst, deswegen... durchatmen, aktuell sieht es ja wirklich nicht so aus als würde er sich oder anderen was antun wollen, die meisten seiner Wahngedanken sind ja eher der Natur, dass er den Menschen aus dem Weg gehen will aus mehreren Gründen oder, dass er denkt, ihnen helfen zu können/über Wissen zu verfügen, das andere nicht haben. Und wirklich nicht versuchen, ihn aus dem Wahn herauszureden oder sowas, das funktioniert nicht. Könnt ihr denn in Kontakt mit ihn treten, wenn ihr euch auf den Wahn von ihm einlasst und ihm die Möglichkeit gibt, darüber zu reden - über seine Ideen und seinen Glauben aktuell? Vielleicht würde das auch helfen, dass er euch wieder mehr vertraut und dann wäre er vielleicht etwas offener für eine Behandlung.
edit/ Habe das mit den Drogen total überlesen, das ist nochmal bisschen was anderes dann, sehr schwierig. :(