Medikamente machen mich leer – Wie komme ich wieder zu mir selbst?
Hallo einfachich, du hast geschrieben, dass du früher nur 100 mg Amisulprid bekommen hast und das gut vertragen hast. Warum wurde das denn so stark erhöht und warum wurden noch zwei Medikamente dazu gegeben? Das sind schon sehr hohe Dosen, die du da bekommst (vielleicht gibt es auch unerwünschte Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten?) Das hört sich für mich wie eine heftige Überdosierung an. Vielleicht könntest du ja in Absprache mit deinem Arzt nach und nach etwas reduzieren und vielleicht brauchst du auch nicht wirklich 3 Medikamente. Ich glaube, jede Reduzierung kann schon etwas bringen. Nur abrupt Absetzen ist nicht gut, dann ist klar, dass es dir schlecht geht. Wenn dein Psychiater nicht mitmachen will beim Reduzieren, würde ich mal versuchen, einen anderen zu finden. Du schreibst, "jedes Mal, wenn ich die Dosis reduziere oder weglasse, geht es mir psychisch sofort schlechter ...". Einfach weglassen ist tatsächlich keine gute Idee und reduzieren muss man auch in kleineren Schritten, dann kann es klappen. Und je mehr du (langsam) reduzieren kannst desto besser wird es dir wieder gehen.
Liebe Grüße, Nina
Hey Nina,
danke für deine liebe Nachricht.
Bei mir war das alles ein bisschen komplizierter.
Eigentlich hätte ich
Amisulprid schon 2012 nehmen sollen, aber wegen starker
Vergiftungsängste habe ich es damals nicht gemacht. 2017 wurde mir nach einer ambulanten Behandlung dann zum ersten Mal
Abilify vorgeschlagen. Die Einnahme habe ich allerdings nie länger als drei Wochen durchgehalten – danach war es mir immer zu viel.
Die Ärzt:innen kamen nie auf die Idee, dass ich vielleicht eine
Depression habe – stattdessen bekam ich recht schnell die Diagnose
paranoide Schizophrenie. Dabei war ich eher dauerhaft sehr traurig, konnte meine Gedanken nicht richtig ordnen und war insgesamt sehr niedergeschlagen.
Irgendwann ging es mir psychisch so schlecht, dass mein Vater mir vorschlug, mich in der
Türkei behandeln zu lassen – dem habe ich dann zugestimmt. Dort bekam ich
10 Sitzungen EKT (Elektrokonvulsionstherapie). Diese haben die negativen Gedanken stark reduziert und mich überhaupt erst wieder in die Lage gebracht, eine medikamentöse Behandlung durchzuhalten – bis heute.
Die Ärzt:innen in Istanbul sagten damals, dass die medikamentöse Therapie
höchstens zwei Jahre dauern müsse. Leider hatte ich hier in Deutschland nie wirklich kompetente Ärzt:innen, die das aufgenommen oder überprüft hätten. Stattdessen hieß es immer nur:
"Sie müssen die Medikamente mindestens fünf Jahre nehmen."
Wenn Ärzt:innen schon von Anfang an so denken, hat man als Patient kaum eine Chance, die Medikamente irgendwann absetzen zu können – egal wie oft ich darüber gesprochen habe.
Entzugssymptome wurden leider nie ernst genommen oder behandelt.
Es hat lange gedauert, bis ich einen richtigen Ansatz für mich gefunden habe.
Deine Nachricht hat mich da wirklich ermutigt – danke nochmal!
Ich nehme die Medikamente inzwischen seit über
3,5 Jahren.
Von der
10%-Methode hatte ich schon früher gehört, aber ich hatte nie den Mut, es wirklich anzugehen.
Dieses Mal – seit dem 1. Gelöschtes Mitglied 659 2025 (kein Aprilscherz 😄) – habe ich einfach eine 5 mg Abilify-Tablette halbiert, um eine 2,5 mg Dosis zu bekommen.
Ich war sonst auf
15 mg Abilify, und bin jetzt seit
8 Tagen auf 12,5 mg.
Die ersten Tage hatte ich durchaus
Entzugssymptome: Kopfschmerzen, Übelkeit, Gehirnnebel... aber
heute war ein richtig schöner Tag – ich war draußen im Park spazieren und dachte nur:
Wahnsinn. Was so eine kleine Reduktion auslösen kann, wenn man durchhält.
Eine Psychiaterin, mit der ich auf
JustAnswer gesprochen habe, meinte,
Psychose sei die schwerwiegendere Erkrankung – und daher müsse ich erst
Abilify oder Amisulprid ausschleichen, nicht alles gleichzeitig.
Fluoxetin soll ich als Letztes ausschleichen, weil eine Depression „weniger kritisch“ sei als eine Psychose – wobei man darüber natürlich streiten kann.
Ich war auch mal
stationär in München, und da wurde versucht, von 15 mg Abilify
direkt auf 7,5 mg zu gehen, ohne Ausschleichen, ohne Vorsicht. Das war eine
Katastrophe. Mir ging es danach psychisch extrem schlecht – aber keiner der Ärzt:innen sprach über Absetzsymptome oder hat das ernst genommen.
Ich werde jetzt auf jeden Fall
versuchen, Abilify komplett auszuschleichen – selbst wenn es
ein halbes bis ein ganzes Jahr dauert. Schritt für Schritt.
Wenn du magst, können wir gerne im Austausch bleiben. Tut gut, zu wissen, dass man mit dem Weg nicht allein ist.
Liebe Grüße
einfachich