Woran merkt ihr, dass die Akutphase vorbei ist?
Ich denke den Unterschied zwischen "richtig Akut" und "leichter Symptomatik" merkt man schon. Teilweise ist leichte Paranoia je nach Umfeld in den man lebt auch berechtigt, denn als Erkrankte/r hat man es manchmal auch schwer und den meisten Leuten fehlt das Verständnis für so eine Erkrankung.
Teilweise klingen Wahnsymptome erst nach Jahren ab und die Medikamente helfen da nur begrenzt, Medikamente können aber den notwendigen Abstand geben um komplexe Wahngedanken zu überdenken. Bei mir waren das so Themen wie der Weltschmerz, Konflikte die es auf der Welt gab/gibt, die Medikamente können so etwas zwar ein Stückweit ausblenden, aber die zugrunde liegenden Probleme die einen in den Wahn treiben können ja weiterhin bestehen.
Indem die medikamente Abstand geben zum Wahn, kann man diese Sachen neu überdenken und sich langsam da herauslösen, mir hat letztendlich geholfen eben selbst mich schlau über diese Themen die mich verunsichert haben zu machen, damit gewinnt man ein Stückweit Kontrolle zurück, indem man sich seine eigenen Gedanken macht und eigene Meinungen bildet, statt zu sehr sich von Medien oder äußeren Dingen die auf einen einwirken, zusätzlich da hineintreiben zu lassen.
Von daher finde ich Wahnsymptomatik ist eher ein schwieriges Beispiel für Akutsymptomatik weil diese häufig trotz der Medikamente unterschwellig noch da sind. Letztendlich können Medikamente aber helfen diese Problematiken aus vielen Wahrnehmungen heraus zu überdenken, weil man ja durch die Wirkstoffe von Gefühl und Wahrnehmung her dann anders an die Dinge herangeht als vorher, wo einen das eher immer kränker gemacht hat. Insofern würde ich sagen kann es auch sein das man unterschiedliche Neuroleptika zeitweise braucht, da diese Vor- und Nachteile haben und sich dann von unterschiedlichen Perspektiven an die Kernprobleme des Wahns heranarbeiten kann. Meiner Meinung nach ist Wahn auch ein zugrundeliegende tiefe Angst, die man so verarbeitet indem man sich übermäßig damit beschäftigt, wo ein Gesunder eben zwar auch sich reinsteigern kann, aber eben in einem gesunden Rahmen und meist weniger intensiv.
Wahn würde ich von daher sagen braucht einfach Monate oder Jahre zum Teil bis man das aufgearbeitet hat und manche Betroffene verzweifeln wohl auch dran. Mir hat auch geholfen diese Energie die man da in den Wahn reinsteckt für konstruktive Dinge wie die eigene Gesundheit einzusetzen und sich so von destruktiven Wahngedanken so zu lösen, indem man sich ein Thema sucht wo man Erfolge hat.
Der Wahn ist vielleicht dann weg, wenn diese Themen kein übermäßiges Interesse mehr erwecken und man das etwas lockerer und realistisch/ausgewogen betrachtet. Da ein Wahn auch reale Züge haben kann, indem die Medien diese öffentliche Wahrnehmung zeigen, kann es dauern bis sich diese Wahrnehmung soweit verändert oder abmildert, das bei einem selbst kein Leidensdruck mehr entsteht.
Ich gehe davon aus, das es Gedankenausbreitung und Eingabe durchaus gibt, also diese Dinge auch wenn es in der Erkrankung sehr realitätsfern wirkt, irgendwo auch einen wahren Kern oder Ursachen haben können und bei realen Problemen würde man ja auch keine Diagnose anstellen können wenn diese Akutphase vorbei ist, oder zumindest liegt das kaum in der Macht des Betroffenen an lebensfeindlichen Dingen da von ein auf den anderen Tag etwas zu ändern.