Spirituelle Gedanken

Vor meinen Psychosen war ich komplett atheistisch, bin auch so aufgewachsen (mein Vater ist Atheist und meine Mutter zwar gläubige Christin, hat mich aber immer selbst entscheiden lassen, woran ich teilnehmen möchte) und hatte dann während meiner Psychosen komischerweise auch teilweise religiösen Wahn. Ich dachte teilweise ich sei gestorben, in einer Art Zwischenwelt und müsste mich beweisen, um nicht in die Hölle zu kommen, dabei hatte ich eigentlich nie viel Kontakt zu solchen Vorstellungen. Ich glaube es lag eher daran, dass es mir sehr wichtig und manchmal durch traumatische Erfahrungen in der Kindheit auch zu wichtig ist, ein "guter" Mensch zu sein und ich habe mich da in den Psychosen sehr hineingesteigert.

Die Werte von beispielsweise Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe, die man in vielen Religionen wiederfindet, finde ich sehr schön, nur wird das ja leider oft nicht ganz so gelebt und als Kehrseite dazu werden Menschen, die anders leben, als es die Religion vorschreibt, hart verurteilt. Ich glaube über diese Kehrseite nachzudenken, tut mir nicht gut und löst bei mir manchmal Wahn aus in Richtung nicht gut genug oder falsch zu sein.

Der Glaube an Reinkarnation geht ja auch oft damit einher, dass es quasi höhere und niedere Wesen gibt und man auf dieser Skala auf- und absteigen kann. Das empfinde ich ähnlich bedrückend und möchte mich damit auch nicht auseinandersetzen.

Gleichzeitig kann ich aber auch verstehen, die Vorstellung von einem Paradies oder generell Leben nach dem Tod als schön und tröstend zu empfinden. Gerade wenn man chronisch krank ist, erfährt man im Leben viel Leid und da ist es natürlich schön, darüber nachzudenken, dass es einen Ort geben könnte, an dem das nicht mehr so ist.

Mein persönlicher Zwischenweg ist da inzwischen eher agnostisch zu sein. Ich schließe nicht komplett aus, dass es nach dem Tod noch etwas gibt und dass es auch viele Dinge geben könnte, die wir als Menschen noch nicht verstehen, glaube aber auch nicht an eine bestimmte Vorstellung davon und lehne Vorstellungen, in denen Menschen (und Tiere) als besser oder schlechter kategorisiert werden ab.