Die Frage nach dem Sinn 😊

Ich wurschtel mich seit Jahren mehr schlecht als recht durchs Leben und hatte mittlerweile 6 Psychosen mit langen Krankenhausaufenthalten. Zwischen den Episoden hatte ich mich immer wieder aufgerappelt und gearbeitet aber seit der letzten Psychose 2023 hat sich die Psychose chronifizert und ich erlebe alle drei bis vier Tage Zusammenbrüche mit heftigsten Zwangsgedanken. Zudem bin ich total auf mein Seelenleben fixiert und grüble fast jede Minute meines Lebens. Damit muss ich gerade einfach leben und ich akzeptiere das Schatten kommen und gehen.

Mein Leben ist ein Kampf, aber den kämpfe ich gerne! Es ist mein Leben und es ist trotzdem ein wunderbares Geschenk, ich würde es mit niemandem tauschen wollen. Ich glaube dass ich (von Gott) diese Bürde bekommen habe, damit ich als Mensch wachsen kann. Ich musste das alles erleben und bewältigen, damit ich mich weiterentwickle anderen Menschen helfen kann. Ohne die Psychosen hätte ich zum Beispiel nie mein Schreibtalent entdeckt oder zum Glauben gefunden, der mir sehr wichtig geworden ist.

Die Welt schreit nach Linderung und Erlösung und ich will meinen Teil beitragen.

Auch ich möchte in der Genesungsbegleitung aktiv werden, wie einige andere hier, dann war mein ganzes Leiden und die psychischen Schmerzen nicht umsonst und hatten einen Sinn. Zudem betreibe ich meinen Blog Die Seele will gesund werden und habe nun auch mein Buchprojekt. Das verleiht meinem Leben einen Sinn!

Ich denke das "Sinn" im Leben das entscheidende ist. Es gilt einen Beruf zu wählen der den eigenen Interessen, Talenten, Träumen und Neigungen entspricht - aber gleichzeitig die Welt besser macht und ihr nicht zusätzlich schadet. Wenn man das "warum" hat, ist das "wie" viel leichter zu ertragen

Ich bin überzeugter Christ und möchte Jesus nachfolgen, ich will so leben dass ich einmal, wenn ich sterbe, ewige Gemeinschaft mit Gott haben kann. Auch Gottes geliebtes Kind zu sein gibt meinem Leben einen Sinn.

Zudem versuche ich ein werteorientiertes Leben zu führen. Meine Werte sind:
  • mental und physisch stark sein
  • Kreativität
  • gute Beziehungen zu anderen Menschen
Aus diesen Werten leiten sich Handlungen ab, wie joggen und musizieren - alles was gut tut. Es ist entscheidend seine Ressourcen zu aktivieren und in die Aktivität zu kommen statt den ganzen Tag auf der Couch zu liegen. Das klingt gut, gelingt mir aber selbst zur Zeit nicht immer. Ich habe grad einen Durchhänger, bin aber überzeugt dass es wieder besser wird.

Liebe Grüße,

Niko
Lieber Niko, das was du da beschreibst berührst mich, und ich kann vieles davon nachvollziehen.
Ich glaube auch, da eine besondere Aufgabe bekommen zu haben. Oft sprechen wir von der Seele als etwas das wir haben ohne einen echten Zugang dazu zu haben. Dabei liegt sie meiner Meinung nach unserer Welt zu hrunde. Sie taucht immer wieder in verschiedenen Kulturen auf, als der Teil von uns, der unzerstörbar und unvergänglich ist, als kollektives Unbewusstes oder wie im Buddhismus als karmisches Speicher Bewusstsein etc.. Dieses Land der Seele ist tief und reicht bis an die Wurzeln des Menschlichen Daseins. Es gibt dieses tiefe, mystische Land der Seele und es gibt auch das Diesseits, die Welt. Ein Gang durch das Land der Seele bleibt nicht ohne folgen, wenn man sich seiner selbst im Diesseits nicht sicher ist. Dann vermischen sich die Welten und es kann eine tiefe Verunsicherung stattfinden. Ich glaube auch, dass einen klarer Geist, innerliche Stärke und einen gefestigten Charakter im Diesseits braucht um aus einem solchen Gang unbeschadet wieder heraus zu kommen. In anderen Kulturen gibt es, weil das Phänomen in der Gesellschaft nicht bekämpft sondern integriert wurde Menschen die einem mit einiger Erfahrung zur Seite stehen können um Anleitung und Sicherheit zu geben. Wenn man sich die mystischen Erfahrungen von zum Beispiel Johannes vom Kreuz mit seinem Gedicht "Die dunkle Nacht der Seele" oder Theresa von Avila mit ihrer "Inneren Burg" ansieht, dann entdeckt man unheimliche Parallelen zu dem was viele Menschen heute in einer Psychose erleben wenn die Bilder der Seele in das alltagsbewusstsein einbrechen. Ich würde mir wünschen, dass sich in unserer Gesellschaft wieder ein Umgang mit Erfahrungen dieser Art etabliert. Denn sie haben mit Sicherheit auch einen gesellschaftlichen Wert. Ich persönlich möchte meine Teil dazu beitragen so gut es mir möglich ist.