Hallo Kleeblatt,
Mein Sohn (35) hat Asperger-Autismus und bekam diese Diagnose erst mit 17 Jahren. Bis dahin musste er im Kindergarten und in der Schule viel Mobbing aushalten, weil er irgendwie "anders" war und keiner verstanden hat, was mit ihm los ist und er deshalb sehr ausgegrenzt wurde. Auch wir wussten nicht, warum er sich so "anders" verhält. Mit der Diagnose wurde vieles klarer. Mit 26 hatte er dann im Rahmen einer sehr stressigen Zeit in einer Reha-Ausbildung eine Episode, in der er anfing Stimmen zu hören, vor denen er furchtbar Angst hatte. Wir haben ihn dann überredet in eine (anthroposophische) psychiatrische Klinik zu gehen. Ich würde das heute nicht mehr machen, denn er bekam dort die Diagnose "paranoide Schizophrenie" verpasst, die er meiner Meinung nach nie hatte. Er war während der ganzen Zeit voll orientiert und ansprechbar, bis auf die Angst vor den Stimmen (welche immer nur morgens nach dem Aufwachen auftraten). Stimmenhören kann auch völlig ohne Schizophrenie auftreten. Jetzt hat er die Diagnose an sich kleben wie einen Kaugummi.
Er hatte schon immer große Probleme mit Reizüberflutung, sozialen Interaktionen und seiner besonderen Art, zu kommunizieren, was alles Symptome von Asperger sind. Das haben wir aber erst nach seiner Diagnose verstanden. Du schreibst, dass du starke Probleme hast, Menschen auszuhalten - vor allem viele und Fremde - ein starker Hinweis auf Asperger. Wie wurde denn deine Diagnose Schizophrenie begründet? Die wird sehr schnell vergeben und stimmt oft überhaupt nicht. Man darf auch nicht vergessen, dass bis zu 30 % aller psychiatrischen Diagnosen Fehldiagnosen sind.
Liebe Grüße,
Nina