Neu: Bereich für Angehörige
Liebe Winterflower,
in Punkto Haldol muss ich Maggi beipflichten. Haldol zur Dauermedikation ist in meinen Augen Körperverletzung! Höllenmedikament ist tatsächlich der richtige Ausdruck dafür. Ich weiß das deshalb, weil meine Schwester zuerst in der Klinik und später ambulant mit Haldol (früher Haloperidol) behandelt wurde. Das war zu einer Zeit als die Behandlung mit diesem Mittel noch weit verbreitet war, auch ambulant als Dauermedikation. Davon ist man heute weitgehend abgekommen. Sie hatte kein Leben mehr. Und jetzt lebt sie auch nicht mehr, weil sie sich das Leben genommen hat. Die Nebenwirkungen dieses Medikaments sind so schwer, dass der Nutzen weit dahinter zurückbleibt. Es ist ein altes Medikament der ersten Generation und seither sind tatsächlich etliche neuere Medikamente auf dem Markt, sogenannte atypische Neuroleptika, deren Nebenwirkungsprofil weitaus günstiger ist und die genauso gut wirken. Und auch bei denen sind die Nebenwirkungen für den Patienten kein Zuckerschlecken. Ein Arzt muss versuchen, das für einen Patienten individuell am besten verträgliche und wirksame Medikament zu finden. Und das setzt voraus, dass er sich die Mühe macht und die Zeit nimmt, genau hinzuschauen und hinzuhören und eventuell unterschiedliche Mittel auszuprobieren - und vor allem auch mal den Patienten/die Patientin anzuhören. Meistens werden die Patienten eben überhaupt nicht gehört und über gravierende Nebenwirkungen wird oft von ärztlicher Seite mit einem Achselzucken hinweggegangen. (Wenn die Ärzte diese Medikamente mal selbst nehmen müssten, würden sie sie wahrscheinlich sehr viel vorsichtiger verordnen.) Das "System" Psychiatrie ist schon krank. Und es wird Zeit, dass schonendere Behandlungen Standard werden. Du hattest geschrieben, dass dein Sohn über den Betreuer eine Zwangseinweisung hatte und mit Haldol behandelt wurde und du schriebst "leider hat es nicht geholfen". Ja, ok. aber warum dann dasselbe wiederholen, wenn es nicht geholfen hat? Mir ist klar, dass die Ärzte bei erwachsenen Kindern aus Datenschutzgründen normalerweise keine Informationen an die Eltern herausgeben, es sei denn der Patient hat eine Schweigepflichtentbindung unterschrieben. Ich hatte damals, als mein Sohn in der anthroposophischen Klinik war, Glück, denn die Ärztin hat sich Zeit genommen und mir genau erklärt, welche Medikamente mein Sohn bekommt und warum. Ich konnte sie jederzeit anrufen, das war beruhigend.
Mir ist auch klar, dass ein Patient oder eine Patientin der oder die fremdgefährdend ist und andere angreift erstmal eine gewisse Dosis braucht, um runterzukommen aber so wie ich es verstanden habe, ist dein Sohn ja nicht aggressiv? Eine Drogensucht kann man mit Haldol nicht heilen. Es ist sehr schwer, ich verstehe dich, aber von Drogen kommt ein Mensch erst los, wenn er selbst es tatsächlich will.
Liebe Grüße, Nina