Neu: Bereich für Angehörige

Hallo,

ich lese interessiert in diesem.Forum über die unterschiedlichen Meinungen und Erfahrungen. Mein Sohn ist 37 und leidet an der so genannten Doppeldoagnose (Sucht und Psychose). Er hat bereits einen langen Leidensweg hinter sich. Mit 19 Jahren ist er das erste Mal an einer Psychose erkrankt, wobei er schon oft 15 Jahren anfing zu kiffen.

Medikamente hatte er nie konsequent genommen, die Sucht hatte immer Vorrang, so dass es inzwischen auch zu Zwangseinweisungen und -mediationen mit Haldol unter Betreueung kam. Das hat leider nicht geholfen und die Ablehnung gegen Ärzte und insbesondere HALDOL ist immer mehr gewachsen und seine Psychose hat sich chronifiziert.
Haldol ist ja nun wirklich kein Medikament, was man so mal für zu Hause gibt? Also für 2-3 Wochen in der Klinik in der Akutbehandlung, lasse ich mir ja noch eingehen, aber selbst das ist für Erkrankte ein heftiger Eingriff. Fluanxol habe ich damals besser vertragen, aber nach der Klinik hatte ich da auch Nachwirkungen.
Normal sind es ja A-typische Wirkstoffe die man zuhause bekommt und da würde ich auch Cariprazin, Aripiprazol oder Brexpiprazol vorschlagen. Suchtprobleme zusätzlich sind schon blöd, wo vielleicht auch ergänzende trizyklische Antidepressiva wie Doxepin in geringer Dosis eventuell helfen können.

Also Haldol für zu Hause zu verordnen oder auf Dauer empfinde ich auch als Straftat, da diese älteren hochpotenten klassischen Antipsychotika schon mit schweren Langzeitnebenwirkungen verbunden sind und man schon generell dazu übergegangen ist nur noch Atypische Antipsychotika für die Erhaltungstherapie zu geben, also das meistens von der Wirkung und so ausreicht und deutlich verträglicher ist. Aber auch da gibt es große Unterschiede, weshalb ich zu einem der genannten Wirkstoffe raten würde als Grundmedikation.


Der letzte Betreuer wurde mit Hilfe eines "zweifelhaften" Freundes, der gegen die Pharmalobby und Psychiatrien ist, durch Klagen bis zum Landgericht abgesetzt.

Jetzt schreibe ich wieder an das Betreuungsgericht, um erneut einen gesetzlichen Betreuer durchzusetzen.

Ich bin als Mutter nicht gerade gut geeignet ihm zu helfen und muss auf mich selber aufpassen.

Vorerst liebe Grüße und gute Nachtruhe an alle Betroffenenund Angehörigen.
Würde mich mal interessieren, was das für ein Freund gewesen ist. Ich bin für den Einsatz von Medikamenten, aber sehe, was Pharmaindustrie und Psychiater machen auch eher kritisch, weil man sich kaum über den Schaden den man anrichtet im klaren ist und man eben therapeutisch viel weiter sein könnte, wenn hinter der Verordnung kein krasses Profitstreben einzelner großer Pharmakonzerne stecken würde. Haldol, Risperdal, Xeplion weitere dieser Depotspritzen sind ja häufig von einem bestimmten Hersteller Janssen, den die Psychiater scheinbar blind vertrauen, aber es uns kranken da teilweise alles andere als gut damit geht. So eine Monatsdepotspritze, was man von den Wirkstoffen her zur Patentverlängerung hernimmt, kostet um die 1000€ im Monat und der Mehrwert für den Betroffenen ist gleich Null, also da vermarktet man den Grundwirkstoff Risperidon der seit 1990 auf dem Markt ist heute immer noch zu völlig überteuerten Preisen, auskosten des therapeutischen Fortschritts. Das sind zwar Atypische Wirkstoffe, aber auch welche, die mit vielen Nebenwirkungen verbunden sind und es schon bessere Wirkstoffe als Generika gibt.

Ich persönlich kann das unbehagen gegen Pharmalobby und Psychiater insofern schon verstehen, wobei man bei einem guten Psychiater auch selbst auf seine Therapie einwirken kann und sollte, also dann eben selbst sehen muss etwas verträglicheres zu bekommen, wenn schon die medizinische Versorgung in weiten Bereichen versagt hat.

Meine Mutter war nach meiner Diagnose und wie es mir da ging auch am Boden zerstört, ich musste selbst sehen, wo ich bleibe. Hab damals zu Beginn Risperidon und dann die Depotspritzen davon bekommen, also das war kein Leben und da fällt Krankheitseinsicht auch schwer, wenn man solche Psychiatrieerfahrungen hat oder gar mit Haldol entlassen wurde...

Du als Mutter könntest ihm ja Informationen bereitstellen und Alternativen zum Haldol aufzeigen. Ich kann dir da gerne Informationen zuschicken, wo man das mit den Nebenwirkungen und alles auch besser sieht. Wie behandelt man die Suchtprobleme bei ihn eigentlich?