Liebenswert trotz Psychoseerfahrung
Hey,
ein sehr bewegender Text.
Ich hatte vor ein paar Jahren eine psychotische Episode,an die sich eine schwere Depression anschloss.
Mittlerweile bin ich -auch Dank eines Antidepressivums-ganz gut wieder im Leben.
Ich habe auch sehr lange an dem Gedanken gelitten,stigmatisiert zu sein.Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin,habe ich mich vielleicht sogar selbst stigmatisiert.
Mir was das Thema ziemlich fremd und das Geschehene hat mir eine unheimliche Angst gemacht.
Ich finde es nach wie vor super krass und unglaublich,was mein Gehirn da veranstaltet hat.
Als am Schlimmsten habe ich die Einsamkeit empfunden,die das Erlebte mit sich brachte.
Man ist ja gewohnt,in der Gemeinschaft zu erleben und zu empfinden,man tauscht sich aus,ob verbal oder nonverbal.
Und ich war mental einfach auf einem anderen Stern unterwegs und niemand hatte die Möglichkeit,mir dahin zu folgen.
Ich weiss nicht mehr wann es war,aber mit der vergangenen Zeit (es sind 3 Jahre) haben sich die Gefühle bezüglich der Krankheitsepisode verändert.
Ich kann mich heute nicht mehr in die damalige Situation hineinfühlen zum Glück (obwohl ich sehr viel davon erinnere),das beruhigt.
Es gibt Freunde,die sich zurückgezogen haben und nun wieder da sind,meine Familie war es zum grossen Glück immer.Eine lebenslange Freundin hat sich von mir abgewandt,was mich mega traurig machte.Ich glaube sie war zu verstört.
Andere Freunde haben Literatur zum Thema gewälzt oder sind regelmässig vorbeigekommen.
Ich weiss gar nicht,wie ich reagiert hätte in so einer Situation.Ich denke viele fahren da einen Selbstschutz hoch,weil es alles einfach nicht zu begreifen ist.
Es gibt BESTIMMT Liebe für dich da draussen.Gab es vorher doch auch?
Du bist immer noch du!
Bei mir hat es eine ganze Weile gebraucht,bis ich wieder in der Lage war Liebe zu spüren.Sehr harte harte Zeit.
Und als das langsam wiederkam,habe ich auch wieder die Liebe empfinden können,die mir entgegengebracht wird.
Es ist alles ein bisschen weniger intensiv als vorher,aber da tun die Medikamente bestimmt ihr Übriges.
Also ja,ich habe "es" angenommen.Es ist mir passiert,es gehört zu meinem Leben.Es ist verbucht unter " heftigste Erfahrung ever" und ich beginne langsam,es mit einer gewissen Zärtlichkeit zu betrachten.Einfach weil ich so unendlich schutzlos war,so maximal verletzlich.
Wie ein Neugeborenes.
Liebe Grüsse,
Anna