15 Jahre Prodomalphase ? Oder 15 Jahre verrückt und keiner merkt es?
Guten Abend,
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich habe mir einen Beitrag von dir durchgelesen. Das was du schreibst, ist bei mir auch so. Z.B. dass du dir auch einbilden kannst, keinen Spaß zu haben. Ich habe selbst vor einiger Zeit festgestellt, dass bei mir viele Symptome erst dazukamen, nachdem ich mir selbst eine Diagnose verpasst habe. Das war ZB bei der Depression so und auch bei der Schizophrenie. Ich habe im Internet gelesen, welche Symptome man bei diesen Erkrankungen hat und kurze Zeit später habe ich sie auch bekommen und bin dann zum Arzt gegangen und habe ihm all die Symptome aufgezählt, die ich vorher im Internet recherchiert hatte, ich hab sie ja dann wirklich teilweise gehabt. Und der Arzt hat mir dann meine Selbstdiagnose bestätigt. Das ist so schräg. Mir fällt auch gerade ein, damals, als das bei mir anfing, gab es zwei Ärzte, die mir immer gesagt haben : Mädchen, Bild dir nichts ein, du bist gesund. Danach ging es mir für ein paar Tage richtig gut. Es scheint ja bei dir so ähnlich zu sein, dass deine Gedanken eine riesige Macht haben. Das sollten wir positiv einsetzen und für uns nutzen!
Ich denke selbst eig auch nicht, dass ich jetzt schon eine Psychose habe, da mir die Relitätsprüfung noch gelingt. Ich merke auch, dass ich, sobald ich aus dem Haus gehe und mir Menschen über den Weg laufen, es schlimmer wird. Es steckt aufjedenfall eine Angst dahinter, vermutlich immer noch eine soziale Angst, aber es ist eben keine Phobie mehr. Meinte übrigens auch Derealisation und nicht Dissoziaton. Derealisation und eine Art Schwindel verspüre ich dann. Nur denke ich auch, dass der Übergang zur Psychose fließend ist. Psychose entsteht doch auch aus der Angst und wegen fehlendem Urvertrauen. Zuerst habe ich eine Phobie entwickelt, danach die generalisierte Angststörung mit Derealisation. Wenn diese irgendwann als Schutzmechanismus nicht mehr ausreicht, kommt die nächste Stufe und das wäre dann die Psychose. Zumindest denke ich das so.
Wenn ich nicht aufpassen, nicht auf genügend Schlaf achten würde und nicht für so viel Ruhe in meinem Leben sorgen würde, wäre ich bestimmt schon durchgedreht.
Ich habe zB nicht erzählt, dass ich auch mal nicht mehr aus meiner Wasserflasche trinken wollte, nachdem ich diese im Fitnessstudio habe unbeaufsichtigt stehen lassen oder dass ich einmal total Panik im Park bekommen habe, als hinter mir eine Person lief und mir eine weitere entgegen kam und ich es für mich hielt, dass die zusammengehören und mich überfallen wollen :(
Sowas habe ich nicht oft und ich konnte noch einen Realitätscheck machen und habe dann aus Trotz trotzdem aus meiner Wasserflasche getrunken, weil ich es sonst als Bestätigung gesehen hätte, paranoid zu sein.
Es ist schwierig. Ich glaube bei der Wasserflasche war das in einer Phase, wo ich immer dachte, jetzt denk nicht dies oder das zb "jetzt denk nicht dass jemand etwas in dein Wasser gemacht haben könnte, sonst wäre es ein Anzeichen dafür, dass du verrückt bist.. denke ich gerade, dass jemand etwas in meine Flasche gemacht hat.. halte ich es es für möglich ..?", also da war quasi die Angst zuerst da, Angst davor zu bekommen.. Das würde ich dann der Angststörung zu schreiben. Aber das im Park, da kam der Gedanke glaube ich wirklich einfach so, aber ich kann nicht ausschließen, dass es da nicht auch so war wie bei der Wasserflasche, nur das diese Gedanken eben schneller abgelaufen sind und ich das nicht mehr nachvollziehen konnte.
Bei mir kommt einfach dazu, dass mein Vater dieses Krankheit hat und ich bin ihm von der Persönlichkeit einfach so krass ähnlich, wobei ich natürlich den Vorteil habe, schon seit 15 Jahren aktiv an mir zu arbeiten und ich dadurch schon etwas an Gelassenheit gewonnen (auch wenn man es überhaupt nicht raushört) habe und mich meist gut reflektieren kann.
Ich denke, wenn man an sich arbeitet und sein Selbstbewusstsein stärkt und einen Glauben hat, sich verbunden fühlt, dann minimiert sich das Risiko für eine Psychose enorm. Mein Vater hatte auch nur eine einzige Episode, was denke ich daran liegt, dass er danach den Glauben zu Gott gefunden hat und jetzt garnicht mehr so viel grübeln oder sich Sorgen machen muss, weil er all seine Sorgen weiter an Gott gibt und die Einstellung hat, es kommt so, wie Gott es möchte.. Vllt hilft ihm aber auch die 5mg Abilify Dosis, die er durchgehend nimmt, habe allerdings mal in eine Buch eines Psychiaters gelesen, dass das nach so einer langen Zeit eig garnicht mehr richtig helfen würde, weil sich das Gehirn umstellt und anpasst, kann es nicht genau erklären.
Leidest du auch an Derealisation Mero? Wird es bei dir auch schlimmer, wenn es dunkel wird oder wenn viele Menschen um dich herum sind? Fühlst du dich auch so, als hätte dein Leben schon vor langer Zeit geendet und du bist jetzt in einer Zwischenwelt? Wenn ich mir manchnal Fotos von früher angucke, fehlt mir die Verbindung dazu. Es ist, als ob mein früheres Leben nicht mein Leben war sondern das Leben einer anderen Person.
Du hast mal erwähnt, dass du süchtig nach etwas bist. Wonach denn, wenn ich fragen darf?
Derealisationen kommen oft bei Drogenkonsum vor, aber das weißt du bestimmt. Und auch psychoseähnliche Zustände und Psychosen können da vorkommen. Ich habe nichts davon gelesen, dass du solche Zustände schon hattest aber wenn es so wäre oder das mal kommen sollte, würde ich eher denken, dass es eine Psychose im Rahmen der Sucht wäre und keine schizophrenie simplex.
Übrigens.. SSRI haben mir bei diesem Zustand früher oft geholfen. Ich war teilweise wieder richtig da. Sie nehmen einem die Angst und dann wird die Derealisation überflüssig. Leider habe ich eine panische Angst vor Medikamenten und die letzten 20 Versuche endeten damit, dass ich die Einnahme nach einer Woche abgebrochen habe, sodass meine Psychiaterin und ich beschlossen haben, es erst wieder zu probieren, wenn ich versprechen kann, sie mindestens 4 Wochen einzunehmen.
Schönen Abend noch