Könnt ihr mich bitte über eure Schizophrenie informieren? Ich lerne gerade einen Mann kennen.. Ich selbst hatte 2 Psychosen 2015/2022 Danke

Nein, wir/ich lebe ( n ) mit den Antipsychotika, die alle Neuroleptika, das heißt "Nervenberuhigungsmittel", engl. major tranquilizers, sind, nicht immer "besser". Aber da wir im Alltag sogenannte "Belastungen" haben (allgemein eigtl. schon durch die "Allgemeinen Anforderungen des Lebens") nehmen wir sie trotzdem ein, entweder durchgehend oder in einer Intervalltherapie. Die Medis unterdrücken wirksam die Symptome, nehmen dem Patienten dafür aber auch wieder etwas von seinem Antrieb und sogar von seiner Stimmung und geistigen Aktivität weg. Aber was will man machen, wenn man sonst z. B. Stimmen hört und/oder das Gefühl hat, die eigene Persönlichkeit macht sich irgendwie selbstständig, man an allen Ecken und Enden aneckt, Schlafstörungen und krankhaftes Misstrauen oder auch unbegründete Vorstellungen (meistens von) Schuld oder auch von Größe hat. Mein IQ etwa hat sich durch die regelmäßige Einnahme des Aripiprazols nicht wesentlich verschlechtert (auch nicht in der Zeit der ständigen Einnahme gemessen). Aber das liegt am Mittel, mit Haloperidol etwa wären wahrscheinlich ganz andere Werte rausgekommen, das dämpft den präfrontalen Cortex so weit ich weiß auf Dauer ziemlich stark.

Dann haben alle Neuroleptika noch den Nachteil, dass das Gehirn irgendwie gegensteuert. Dadurch fällt die eingesetzte Dosis höher aus als dies so sein sollte. Der Effekt tritt besonders bei den sog. Typika oder 1st gen AP auf. Die Nebenwirkungen werden dann oft unerträglich, ein Wechsel auf die Partialagonisten Aripiprazol, Brexpiprazol (bei euch in der Schweiz erhältlich, bei uns in Deutschland nicht verschreibungsfähig wie dies nebenbei bemerkt auch für das orale Mittel Invega ® mit dem Wirkstoff Paliperidon gilt) oder Cariprazin erforderlich.

Ich empfehle eine Überprüfung des Status der Psychose. Wurden z. B. vor der Ersteinnahme Drogen konsumiert? Und fußt das "Urteil zur Einnahme" von Neuroleptika (das es in dieser Form in .de nicht gibt, nur bei euch in der Schweiz) etwa (auch) auf unbegründeten, da krankheitsbedingten Schuldgefühlen?

Gar nicht so selten treten bei einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis begleitende Depressionen auf. Laut den Leitlinien sollen (!) diese im Rahmen einer Behandlung sogar gesondert (z. B. durch ein Antidepressivum zusätzlich) behandelt werden. Dass die AD eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs bewirken würden, gilt nicht mehr (wobei es lustigerweise auch nie galt).

Ich empfehle dir, zum Allgemeinmediziner zu gehen und dort entweder die Überweisung zum Facharzt oder gleich ein Rezept für ein für dich geeignetes per os einzunehmendes Mittel (entweder Aripiprazol oder Cariprazin, evtl. Brexpiprazol) anzufordern. Dein Vertrauensverhältnis zum Hausarzt ist wichtig, ich habe auf dieser Schiene selbst schon sehr positive Erfahrungen sammeln können.

Als Dosierung fängst du dann ganz unten an, ich darf dir aus juristischen Gründen da jetzt keinen konkreten Wert oder auch nur Rezeptorbelegungsanteil nennen, obwohl ich das gerne so machen würde, einmal weil das schwierig ist, aber dann auch weil ich dann hafte, wenn mich wer deswegen in Anspruch nimmt (auch wenn er selbst eine große Dummheit macht, indem er Informationen ungeprüft einfach anwendet), und das will ich vermeiden, ich bedanke mich für dein Verständnis! Dann schaust du, dass es möglichst nicht zu schnell hoch geht, die minimale effektive Dosis mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 80-85% dafür, dass es zu keinem Rückfall kommt, ist anzustreben (wobei nach neueren Untersuchungen zur low dose Therapie ein Rückfall nicht automatisch etwa die Notwendigkeit einer stationären Behandlung bedeutet).

Alles Gute!