Mutig sein für sich
Ich freue mich ebenfalls über deine neue Arbeitsstelle und demzufolge über deinen neuen Arbeitsvertrag. Ich wünsche dir viel Erfolg in dem neuen Unternehmen und eine gute Zusammenarbeit mit den Männern/Arbeitskollegen. Des Weiteren ziehe ich meinen Hut vor dir, dass du mit dieser schweren psychischen Erkrankung eine Erwerbstätigkeit nachgehen kannst, egal ob Voll- oder Teilzeit. Ich würde sehr gerne mich auf dem allgemeinen 1. Arbeitsmarkt wieder betätigen. Leider macht es bei mir nicht viel Sinn, da ich durch meine beiden Renten ein sehr gutes Einkommen beziehe, sodass sich in meiner Region sogar eine Vollzeitstelle als Facharbeiter, Meister oder sogar Ingenieur nicht lohnen würde, außer ich fahre auf Montage, was jedoch mein Psychiater nicht empfiehlt, aufgrund des Stresses.
In meinem alten Beruf als Elektroingenieur zurückzukehren wurde mir von meinem Facharzt ebenfalls abgeraten, weil der Stress, die Verantwortung als Führungskraft für Material und Mitarbeiter und die Arbeitsverdichtung für mich als schizophrener Mensch zu hoch ist. Da ich durch die Erkrankung sehr dünnhäutig und im Allgemeinen sehr vulnerable bin, kann ich als Ingenieur nicht zu viel Schwäche gegenüber meinen Mitarbeitern und Chefs zeigen und dauerhaft lediglich unter 100 Prozent Leistung abliefern. Als Ingenieur mit einem sehr guten Abschluss wird wesentlich mehr als von einem Facharbeiter oder Meister erwartet und meist auch mehr als "nur" 100 % Leistung. Das schaffe ich nicht mehr. Deswegen gehe ich leichte und stressfreie Tätigkeiten in Form von Ehrenämtern oder Minijobs nach. Das zusätzliche Geld als Minijobber zu meinen beiden Renten reicht mir vollkommen aus. Ich bin insgeheim froh, dass ich raus aus dem Hamsterrad und der Leistungsgesellschaft bin und nicht mehr diesen Kostendruck und dieser Gewinnmaximierung ausgesetzt bin.