Meine Schwester

Guten Abend an alle,

seit ein paar Tagen hat meine Schwester wieder Symptome. Davor war gut ein Jahr lang alles so als wäre nie etwas gewesen.
Akut suche ich um Rat wie ich mich am besten verhalte. Habe in Gesprächen versucht ihr deutlich zu machen, dass ich für sie da bin. Beim letzten Mal hatte das ganze ja starke negative Folgen. Sie hat ihre Arbeitsstelle verloren, wurde mehrfach angezeigt.
Was natürlich für sie sehr belastend war. Das könnten wir zum Glück alles klären.
Natürlich möchte ich alles tun, um diese Folgen abzuwenden. Oder vielleicht ist mir das in dieser Situation auch gar nicht möglich?
Sie meinte sie möchte in Ruhe gelassen werden, um die aktuelle Situation zu verarbeiten.
Also lasse ich sie in Ruhe. Dennoch weiß ich und spüre ich, dass das Gefühl der Sorge in den nächsten Stunden, Tagen steigen und steigen wird.
Aber ein "Kontrollbesuch" sollte ich mir wohl besser verkneifen? (Sie wohnt über mir)
Da es in der Vergangenheit Suizidversuche gab, habe ich Angst sie könnte sich etwas antun. Diese Vorstellung schmerzt so sehr.
Aktuell gibt es dafür keine Anzeichen. Höre aber immer weniger von ihr. Da kommt der Gedanke auf: "Was wenn es drastisch schlechter wird?"
Sie hat null Krankheitseinsicht, sodass ich mir unsicher bin wie ich am besten vorgehe. Natürlich muss Hilfe her, aber die Frage ist wie. Sie wird ja höchstwahrscheinlich misstrauisch/abweisend sein, wenn ich sie zu einem Arztbesuch, Klinkeinweisung überrede und dann verlernt sie wahrscheinlich das Vertrauen zu mir. Ihr Freund meinte nach ihren Schilderungen nur, dass er sich große Sorgen macht und das Gefühl hat, dass sie wieder wahnhaft ist (die beiden wohnen nicht zusammen). Natürlich führte das dazu, dass sie ihm nicht mehr vertraut. Sie wirkte vorhin sehr traurig und enttäuscht.


Ich versuche stark zu sein, nur dann ist die Verzweiflung so stark, dass ich es kaum ertrage.
Hallo!

Erstmal klasse dass du für deine Schwester da bist und eine Lösung für sie erfragst. Du bist ein wirklich starker Mensch.

Sei weiterhin für sie da, damit weiß sie, dass sie nicht völlig alleine ist.

Allerdings musst du auch auf dich aufpassen und das du nicht noch ein Burnout bekommst bei der Sache.

Leider kann ich dir keinen anderen Rat geben als folgenden.

Als ich psychotisch war wollte ich auch nicht zum Arzt gehen und auch keine Medikamente nehmen.

Nachdem ich mit meinem Vater telefoniert hatte und ihn wieder mit meinem Verfolgungswahn beschäftigte äußerte ich, dass das alles für mich keinen Sinn mehr mache.

So verzweifelt er war, er konnte es mir nie recht machen. Und er hatte keine Chance auf mich einzuwirken und mir zu helfen.

Plötzlich stand die Polizei und der Krankenwagen vor meiner Türe und baten mich mitzukommen, weil mein Vater sich sorgen mache, dass ich mir was antue.

Zuerst war ich sauer auf ihn und versuchte auf die Beamten und Pfleger einzureden, dass das nicht nötig sei. Sie überzeugten mich dann mit ins Krankenhaus zu gehen und mit dem Arzt zu sprechen.

Kurzum ich wurde dann in eine Psychatrie eingewiesen durch den dortigen Arzt.

Ich war einen Monat lang sauer auf meinen Vater und wollte ihn nicht sehen.

In der Pychatrie wurde ich gezwungen Medikamente zu nehmen und nach einem Monat wurde es besser. Ich bekam die Höchstdosis Xeplion 150mg als Injektion.

Als der Wahn aufhörte verschwand meine Wut auf meinen Vater und jetzt bin ich ihm sogar dankbar.

Es ist vielleicht etwas sarkastisch wenn ich sage, dass du gute Chancen hast sie in eine geschlossene Psychatrie zu bekommen. Dort solltest du auch mit dem behandelnden Arzt und den Pflegern sprechen und erzählen was du dir für Sorgen machst. Da sie bereits Suizidversuche hinter sich gebracht hat, sollten sie dir glauben. Wurden die Suizidversuche von einem Arzt aufgenommen bzw. Kam deine Schwester dann in die Psychatrie?

Eine weitere Möglichkeit ist das beantragen eines Betreuers beim zuständigen Landratsamt oder bei eurem Amtsgericht. Einer der für die Gesundheitsfürsorge deiner Schwester da sein soll. Aber das wird nicht so einfach wenn sie das nicht einsieht.

Sei stark in jedem Fall und sag ihr dass du dir große Sorgen um sie machst und sie lieb hast.

Du wirst vielleicht nicht drumherum kommen sie einweisen zu lassen.