Psychiatrische Tagesklinik - Eure Erfahrungen

Hallo Oliver,

vielen Dank für den ausführlichen Bericht zum Thema "Tagesklinik - Eure Erfahrungen". Die Tagesklinik die ich mir ausgesucht habe, wirbt mit einem Aufenthalt von 5-8 Wochen. Nicht mehr und nicht weniger. Erlicher gesagt, habe ich auch nicht so viel Lust auf Körbe pflechten. Da graust es mir bei dem Gedanken. Aber da muss ich wohl durch.

Wieso bist du zur Tagesklinik gegangen und anschließend zu RPK, wenn du doch die EM-Rente haben wolltest?

Gruß Gelöschtes Mitglied 1196
Hallo @Gelöschtes Mitglied 1196,

5 bis 8 Wochen hört sich sehr wenig an, aber ist vermutlich von Klinik zu Klinik unterschiedlich. Die Mitpatienten, die ich kennengelernt habe, waren auch so von 5 bis 8 Wochen in der Tagesklinik, aber meistens wegen Depressionen. Danach wurden sie wieder unter Druck „rausgeschmissen“, um wieder schnellstmöglich ackern zu gehen und brav ihre Steuern zu zahlen. Bei schizophrenen Patienten war die Aufenthaltsdauer meist länger, wie bei mir.

Ich bin damals in die Tagesklinik gegangen, weil ich direkt von der geschlossenen Psychiatrie dorthin verlegt wurde. Ich habe dann erst bei diesen sozialtherapeutischen Unterrichtsstunden von der Sozialarbeiterin in der Tagesklinik erfahren, dass es sowas wie eine Erwerbsminderungsrente gibt.

Diese EM-Rente wird unter anderem nur geleistet, wenn eine Reha stattgefunden hat. Es gilt nämlich im Gesundheitssystem und Sozialrecht in Deutschland das Motto: „Reha vor Rente“, wo nochmals deine Leistungsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt überprüft wird. Deswegen absolvierte ich diese Reha in Form einer Reha für psychisch kranke Menschen. Wie oben beschrieben, wurde mir nach der Reha jedoch eine 6-stündige Erwerbsfähigkeit laut Reha-Bericht bescheinigt. Dies war die Ursache, dass ich keine EM-Rente im ersten Anlauf bekommen habe, die ich während der Reha parallel beantragte. Es gibt aber auch Ausnahmefälle, bei denen Patienten direkt diese Rente bekommen haben, ohne eine Reha zu durchlaufen, zum Beispiel bei sehr starker Sozialphobie. Der Facharzt kann dich nämlich als nicht rehabilitationsfähig schreiben.

Persönlich wollte ich eigentlich nicht diese Rente. Es ging halt nur nicht mehr mit arbeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt, aufgrund der Erkrankung. Mein Psychiater vermerkte auch auf dem Befundbericht S0051, dass von mir nur die Teilrente erwünscht ist, weil ich nämlich versuchen wollte in einer Teilzeitstelle zu arbeiten. Dadurch hätte ich noch was zur Teilerwerbsminderungsrente hinzuzuverdienen können und hätte eine Aufgabe im Leben gehabt, um nicht ganz zu verblöden. Jedoch bekam ich die volle Rente zugesprochen. Jetzt bin ich froh, dass ich erst mal die volle Erwerbsminderungsrente für 3 Jahre erhalte und plus BU-Rente kann ich sehr gut in meiner Region leben. Da ich als Ingenieur gut verdient habe, fällt meine Erwerbsminderungsrente sehr gut aus. Mein Facharzt meinte zu mir, dass ich wahrscheinlich diese Rente auch unbefristet bekommen werde, weil meine Schizophrenie chronisch ist. Er rät mir auch davon ab, es trotzdem mit einem sozialversicherungspflichtigen Job zu versuchen. Der Grund liegt darin, dass ich wahrscheinlich nicht mehr so gut verdienen würde wie früher, was dadurch die Höhe meiner Erwerbsminderungsrente schmälert. Außerdem müsste ich wieder durch dieses ganze Prozedere mit der Beantragung der EM-Rente und Gutachtertermin und der Warterei auf den Bescheid, wenn ich wieder akut erkranke.