tomdana
Active member
Dieser Post kostet mir viel Mut, deshalb bitte ich um einen konstruktiven Austausch.
Einleitung
Ich lebe mit paranoider Schizophrenie und identifiziere mich als nicht-binär, agender und transfeminin. Das bedeutet, dass ich mich keinem Geschlecht zugehörig fühle und gleichzeitig femininer sein möchte, auch wenn mein Körper (derzeit noch) männlich wirkt (AMAB – assigned male at birth). Ich verstehe, dass das für manche Menschen zunächst befremdlich wirkt, und ich habe selbst unbewusst internalisierten Hass und Angst gegenüber Transpersonen gespürt – etwas, woran ich aktiv arbeite.
Schizophrenie beeinflusst meine Wahrnehmung, meine Gedanken und mein Selbstvertrauen stark. Manchmal fühlt es sich an, als hätte ich „gespaltene Persönlichkeiten“ oder unterschiedliche innere Stimmen, die mir widersprüchliche Gefühle oder Zweifel über mich selbst vermitteln. Trotz dieser Herausforderungen bleibt meine Geschlechtsidentität real und (zumeist) konsistent; sie wird durch Psychose oder Stimmen nicht erzeugt, auch wenn die Erkrankung meine Selbstwahrnehmung beeinflusst.
Manchmal wird die Erfahrung von „inneren Stimmen“ oder unterschiedlichen Ich-Anteilen bei Schizophrenie fälschlich mit dissoziativer Identitätsstörung (DIS) gleichgesetzt. Bei DIS entstehen mehrere „Identitäten“ oder „Persönlichkeitsanteile“ meist als Folge von Traumata, oft durch schwere frühkindliche Misshandlung oder Vernachlässigung. Die Anteile haben unterschiedliche Erinnerungen, Rollen und manchmal eigene Verhaltensmuster.
Bei mir trifft das teilweise zu: Ich habe mehrere Ich-Anteile, inneren Stimmen und unterschiedliche Rollen, die mich verunsichern. Deshalb bin ich mir manchmal unsicher, ob die Schizophrenie-Diagnose allein ausreichend zutreffend ist. Eine Person mit Schizophrenie mag eine einzige Ich-Struktur erleben, auch wenn Gedanken und Stimmen fragmentiert oder belastend wirken.
Medikation
Interessanterweise wirken Antipsychotika wie Paliperidon oder Olanzapin auf den Prolaktinwert, was wiederum körperliche Veränderungen wie Brustwachstum oder Libido beeinflussen kann. Das ist besonders relevant, wenn man feminisierende Hormone wie Estradiol oder Spironolacton einnimmt.
Die Kombination von Antipsychotika und Hormonersatztherapie erfordert regelmäßige Blutkontrollen, um Werte wie Estradiol, Testosteron, Prolaktin, Kalium, Blutzucker, Lipide und Blutdruck im Blick zu behalten. Mein Ziel ist es, die psychische Stabilität zu sichern und feminisierende Hormone Schritt für Schritt einzuführen, ohne dass Nebenwirkungen außer Kontrolle geraten. Gleichzeitig versuche ich, die Hormontherapie mit einem gesunden Lebensstil zu unterstützen, etwa durch Bewegung, ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf.
Auf sozialer und psychologischer Ebene hilft es mir, die Geschlechtsidentität trotz der Erkrankung ernst zu nehmen und Selbstzweifel zu erkennen, ohne dass sie die Realität meiner Identität definieren. Ich glaube, dass nicht-binäre Identitäten bei Menschen mit Schizophrenie überproportional häufiger vorkommen als in der Allgemeinbevölkerung, möglicherweise weil diese Erkrankung oft dazu führt, die eigenen Rollen, Normen und die Wahrnehmung der Realität zu hinterfragen. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder queeren Communities wirkt stabilisierend und unterstützt dabei, sich weniger isoliert zu fühlen.
Für mich ist es hilfreich, die Transition schrittweise anzugehen: zunächst die psychische Stabilität sichern, dann eine medizinische Begleitung für die Hormontherapie finden, und schließlich die soziale Transition leben. Letztere kann einfache Dinge umfassen wie Name, Pronomen, Kleidung, Frisur, Stimme, Hautpflege oder Haarentfernung. All das zusammen hilft, Identität sichtbar und erfahrbar zu machen, ohne die Stabilität zu gefährden.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Transidentität und Schizophrenie gleichzeitig existieren können. Mit professioneller Begleitung durch Psychiater:innen und Endokrinolog:innen, regelmäßigen Kontrollen und einem stabilen Alltag ist es möglich, sowohl die psychische Gesundheit zu schützen als auch die eigene Geschlechtsidentität zu leben. Dieser Prozess kostet Mut, aber der Austausch, das Ausprobieren und die Unterstützung durch Community und Fachkräfte helfen enorm, Selbstzweifel zu reduzieren und die eigene Identität zu bestätigen.
Weiterlesen
„Beyond the Binary: Gender Inclusivity in Schizophrenia Research“ – Übersichtsartikel, der zeigt, dass Trans- und gender-nonkonforme Personen ein erhöhtes Risiko für Schizophrenie-Spektrum-Diagnosen aufweisen und dass die Forschung zu diesem Thema sehr begrenzt ist.
Caitlin J. Nolan et al., Biological Psychiatry, 2023
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006322323011691
Danke
Ich freue mich über Eure Erfahrung zu diesem Thema zu lesen, unabhängig der Geschlechtsidentität.
Danke, dass du bis hier gelesen hast. Hier ein Keks
Hinweis: Beitrag wurde mit Hilfe von KI strukturiert.
Einleitung
Ich lebe mit paranoider Schizophrenie und identifiziere mich als nicht-binär, agender und transfeminin. Das bedeutet, dass ich mich keinem Geschlecht zugehörig fühle und gleichzeitig femininer sein möchte, auch wenn mein Körper (derzeit noch) männlich wirkt (AMAB – assigned male at birth). Ich verstehe, dass das für manche Menschen zunächst befremdlich wirkt, und ich habe selbst unbewusst internalisierten Hass und Angst gegenüber Transpersonen gespürt – etwas, woran ich aktiv arbeite.
Schizophrenie beeinflusst meine Wahrnehmung, meine Gedanken und mein Selbstvertrauen stark. Manchmal fühlt es sich an, als hätte ich „gespaltene Persönlichkeiten“ oder unterschiedliche innere Stimmen, die mir widersprüchliche Gefühle oder Zweifel über mich selbst vermitteln. Trotz dieser Herausforderungen bleibt meine Geschlechtsidentität real und (zumeist) konsistent; sie wird durch Psychose oder Stimmen nicht erzeugt, auch wenn die Erkrankung meine Selbstwahrnehmung beeinflusst.
Manchmal wird die Erfahrung von „inneren Stimmen“ oder unterschiedlichen Ich-Anteilen bei Schizophrenie fälschlich mit dissoziativer Identitätsstörung (DIS) gleichgesetzt. Bei DIS entstehen mehrere „Identitäten“ oder „Persönlichkeitsanteile“ meist als Folge von Traumata, oft durch schwere frühkindliche Misshandlung oder Vernachlässigung. Die Anteile haben unterschiedliche Erinnerungen, Rollen und manchmal eigene Verhaltensmuster.
Bei mir trifft das teilweise zu: Ich habe mehrere Ich-Anteile, inneren Stimmen und unterschiedliche Rollen, die mich verunsichern. Deshalb bin ich mir manchmal unsicher, ob die Schizophrenie-Diagnose allein ausreichend zutreffend ist. Eine Person mit Schizophrenie mag eine einzige Ich-Struktur erleben, auch wenn Gedanken und Stimmen fragmentiert oder belastend wirken.
Medikation
Interessanterweise wirken Antipsychotika wie Paliperidon oder Olanzapin auf den Prolaktinwert, was wiederum körperliche Veränderungen wie Brustwachstum oder Libido beeinflussen kann. Das ist besonders relevant, wenn man feminisierende Hormone wie Estradiol oder Spironolacton einnimmt.
Die Kombination von Antipsychotika und Hormonersatztherapie erfordert regelmäßige Blutkontrollen, um Werte wie Estradiol, Testosteron, Prolaktin, Kalium, Blutzucker, Lipide und Blutdruck im Blick zu behalten. Mein Ziel ist es, die psychische Stabilität zu sichern und feminisierende Hormone Schritt für Schritt einzuführen, ohne dass Nebenwirkungen außer Kontrolle geraten. Gleichzeitig versuche ich, die Hormontherapie mit einem gesunden Lebensstil zu unterstützen, etwa durch Bewegung, ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf.
Auf sozialer und psychologischer Ebene hilft es mir, die Geschlechtsidentität trotz der Erkrankung ernst zu nehmen und Selbstzweifel zu erkennen, ohne dass sie die Realität meiner Identität definieren. Ich glaube, dass nicht-binäre Identitäten bei Menschen mit Schizophrenie überproportional häufiger vorkommen als in der Allgemeinbevölkerung, möglicherweise weil diese Erkrankung oft dazu führt, die eigenen Rollen, Normen und die Wahrnehmung der Realität zu hinterfragen. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen oder queeren Communities wirkt stabilisierend und unterstützt dabei, sich weniger isoliert zu fühlen.
Für mich ist es hilfreich, die Transition schrittweise anzugehen: zunächst die psychische Stabilität sichern, dann eine medizinische Begleitung für die Hormontherapie finden, und schließlich die soziale Transition leben. Letztere kann einfache Dinge umfassen wie Name, Pronomen, Kleidung, Frisur, Stimme, Hautpflege oder Haarentfernung. All das zusammen hilft, Identität sichtbar und erfahrbar zu machen, ohne die Stabilität zu gefährden.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Transidentität und Schizophrenie gleichzeitig existieren können. Mit professioneller Begleitung durch Psychiater:innen und Endokrinolog:innen, regelmäßigen Kontrollen und einem stabilen Alltag ist es möglich, sowohl die psychische Gesundheit zu schützen als auch die eigene Geschlechtsidentität zu leben. Dieser Prozess kostet Mut, aber der Austausch, das Ausprobieren und die Unterstützung durch Community und Fachkräfte helfen enorm, Selbstzweifel zu reduzieren und die eigene Identität zu bestätigen.
Weiterlesen
„Beyond the Binary: Gender Inclusivity in Schizophrenia Research“ – Übersichtsartikel, der zeigt, dass Trans- und gender-nonkonforme Personen ein erhöhtes Risiko für Schizophrenie-Spektrum-Diagnosen aufweisen und dass die Forschung zu diesem Thema sehr begrenzt ist.
Caitlin J. Nolan et al., Biological Psychiatry, 2023
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006322323011691
Danke
Ich freue mich über Eure Erfahrung zu diesem Thema zu lesen, unabhängig der Geschlechtsidentität.
Danke, dass du bis hier gelesen hast. Hier ein Keks
Hinweis: Beitrag wurde mit Hilfe von KI strukturiert.
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