Ich glaube, wir meinen alle dasselbe.
@LangerKorridor meint sicher auch keinen „Luzifer“ als Inbegriff des Bösen, sondern eher als Symbol für das Gute, das die Welt verworfen hat.
Es wirkt tatsächlich so, als würden in manchen Bereichen – auch in der Psychiatrie – eher destruktive Kräfte wirken, statt dass man Betroffenen so gut wie möglich hilft. Man hat sich Geld, Reichtum und Macht verschrieben, sieht darin eine Art „göttlichen“ Wert und vergisst dabei, worum es eigentlich gehen sollte. So kommt es dann auch zu solchen Fehlentwicklungen, bei denen man einem „Teufel“ Hörner aufsetzt, als wäre ein Tier oder ein Ziegenbock das Problem. Das Problem ist doch der Mensch selbst, der oft wie ein Tier handelt, wenn es um die eigenen Interessen geht.
Den christlichen Gott des Neuen Testaments mag ich durchaus. Aber vieles im Alten Testament wirkt wahnhafter, verklärt Macht zu Gott und die Fähigkeit, Menschen zu schaden oder zu bestrafen. Dabei handelt es sich doch eher um frühe Erfahrungen und Überlieferungen von Menschen, die selbst unter psychischen Erkrankungen litten und einen geistigen Zugang zu einer anderen Welt hatten – die sie, genau wie wir, nur ansatzweise begreifen konnten.
LangerKorridor kritisiert im Grunde das, was Menschen in der Bibel symbolisch zum „Teufel“ gemacht haben – und das finde ich legitim.
Viele betrachten Geld und Reichtum als Geschenk Gottes. Aber das können auch jene behaupten, die ihren Reichtum dadurch erlangt haben, dass sie anderen geschadet oder weggeschaut haben. Genau das passiert in der Psychiatrie im therapeutischen Alltag ständig. Mit jedem überteuerten Depotpräparat setzt man diese Linie fort. Günstige, aber funktionierende Therapien sind vielen längst egal geworden. Selbst neue Medikamente werden belächelt, weil man angeblich keine 100 € für eine Monatspackung Tabletten übrig hat – während man 1000 € für ein Depot zahlt, von dem ein großer Teil intern verteilt wird und kaum etwas in vernünftige Forschung fließt. Gleichzeitig schafft man es, bei neuen, verträglicheren Medikamenten „keinen Zusatznutzen“ zu finden, aber ein Risperidon‑Depot bis 2036 zu patentieren, obwohl man zuvor Paliperidon – den aktiven Metaboliten – als so vorteilhaft dargestellt hat.
Wo ist da der Zusatznutzen?
Es scheitert auch an den zwei Millionen Euro, die für eine Studie nötig wären, um Evidenz zu schaffen – etwa für die Intervalltherapie mit Bupropion. Man pocht ständig auf Evidenz, leistet aber selbst nichts dafür oder ist machtlos.*
Medikamentöse Orientierung bei Psychose – Schizophrenie (Langfassung)
Fachgesellschaften tragen dafür Mitverantwortung. Schon vor zehn Jahren im KNS‑Forum (Kompetenznetz Schizophrenie) hatte ich erste Erfolge mit Bupropion und habe den Weg dorthin aufgezeigt. Stattdessen wurde ich dort diskreditiert und mit übelsten Beleidigungen überzogen – in einem Forum, das von öffentlichen Geldern finanziert wurde. Heute mag das anders sein, aber die Frage bleibt: Woran arbeitet man eigentlich, wenn man mit sehr günstigen Medikamenten vielen Betroffenen echte Hilfe bieten könnte?
Und ja, manchmal stimmt es: Wo Unrecht herrscht, wird Widerstand zur Pflicht. Viele Betroffene, die sich geweigert haben, hatten damit recht. Denn seit längerer Zeit stand eher die „Stillegung“ im Mittelpunkt als die Behandlung – oft aus Unwissenheit und aus einer falsch verstandenen christlichen Haltung heraus, die selbst die größten Verbrecher „liebt“ und sich damit zum Teil des Problems macht statt zur Lösung.
Die Psychiatrie schadet häufig mehr, als sie hilft. Man verschwendet Milliarden durch überteuerte Depotspritzen, bis das System unfinanzierbar wird – und dann stehen wir irgendwann wieder vor rechten Parteien, die „Endlösungen“ anbieten, weil die aktuellen Parteien diesen Missbrauch erst ermöglicht haben.
Ein paar kleine Gesetzesänderungen, konsequent umgesetzt wie in einem Rechtsstaat, würden jährlich Milliarden sparen. Aktuell befinden wir uns in der rechten Spalte der Tabelle – das sind die Zusatzkosten, die entstehen. Milliardenverschwendung, durch die wir uns geistig zurückentwickeln.
Zur Depot‑ vs. Tabletten‑Logik – eine sachliche Einordnung
Bupropion und Lurasidon kosten ähnlich viel wie Cariprazin. Würde man Cariprazin als Referenz nehmen, wäre das der Betrag, den man für neue Wirkstoffe ausgeben kann – mal mehr, mal weniger. Die rechten Spaltenkosten entstehen nur, weil man an alten Strukturen festhält.
Das ist Erbsünde. Das ist „Satan“, was wir uns da selbst antun. Insofern finde ich die Umdeutung von
@LangerKorridor – Satan zu Gott und umgekehrt – sinnvoll, gerade weil wir glauben, in einer christlichen Gesellschaft zu leben und solche Dinge trotzdem zulassen.
Die Menschen sind nicht dumm. Sie merken das. Aber wenn das Böse bereits regiert – wo ist dann Gott? Vielleicht wirklich dort, wo man ihn früher als „Satan“ verkannt hat.