LordHabicht
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Resilienz entwickeln

Haben Sie in Ihrer Stadt eine Bibliothek? Wenn ja, besuchen Sie sie doch einmal und leihen sich einen der vielen psychologischen Ratgeber aus. Auf dem Markt gibt es inzwischen 50.000 Veröffentlichungen. Eine Bibliothek ist ein Tempel des Wissens und Bibliotheksausweise sind in der Regel sehr günstig. Die Literatur ist voll von hilfreichen Tipps, nützlichen Tools, spannenden Biografien und mutmachenden Strategien von denen kranke Menschen unbedingt erfahren müssen. So ließe sich viel unnötiges Leid vermeiden. Dafür möchte ich mit diesem Blog einen Beitrag leisten.
Heute empfehle ich das Buch „Stärker als das größte Leid: In drei Schritten unerschütterlich durchs Leben“ von Thomas Hohensee.
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Thomas Hohensee ist einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren im deutschsprachigen Raum. Er hat mehrere Bestseller veröffentlicht, darunter „Gelassenheit beginnt im Kopf“ und „Glücklich wie ein Buddha“. Seine Bücher haben eine Gesamtauflage von 500.000 Exemplaren erreicht. Sie sind in sieben Sprachen übersetzt.
Als Coach und Seminarleiter vermittelt er seinen KlientInnen in kurzer Zeit einfache Strategien, die zu mehr Glück, Gelassenheit und den gewünschten Zielen führen.
Wie entsteht Leiden?

Leiden entsteht laut Buddhismus nicht durch das Ereignis selbst (z. B. eine Psychose oder ein Verlust), sondern durch unsere Reaktion darauf.
- Anhaften (Upadana): Wir wollen, dass schöne Momente ewig dauern. Wenn sie gehen, leiden wir.
- Ablehnung (Vibhavatanha): Wir wollen, dass Schmerz sofort aufhört. Je mehr wir gegen die Angst kämpfen („Das darf nicht sein!“), desto stärker wird sie. Das ist der Widerstand, der das Leid verdoppelt.
- Unwissenheit (Avidya): Wir glauben, wir seien unser Ego oder unsere Krankheit. Wir sehen nicht, dass alles im Fluss ist (Anicca – Vergänglichkeit).
Sauberes Leid wäre in meinem Fall zum Beispiel der Gedanke an den Verlust meiner Mutter. Das ist reales Leid über einen Schicksalsschlag wie er jeden Menschen ereilen kann. Es gehört zum Leben dazu und ist ganz normal. Dagegen schmutziges Leid: Dieses Leid erschaffen wir uns selbst – meist unbewusst. Es ist der „Schmutz“, den wir auf den ursprünglichen Schmerz draufpacken, indem wir gegen ihn kämpfen, ihn bewerten oder uns Vorwürfe machen.
Beispiele: „Warum passiert mir das schon wieder?“, „Ich sollte nicht so fühlen“, „Ich bin ein Versager, weil ich wieder Angst habe“, oder das Grübeln über die Vergangenheit.
„Schmutziges Leid“ ist unnötiges Leid, dass wir selbst mit unserem Geist erschaffen. Dagegen hilft nur die Akzeptanz. Diese ist eine der Säulen welche Hohensee in seinem Buch beschreibt.
Die 3 Säulen der Resilienz

- Akzeptieren: Manche Lebensumstände lassen sich nicht kontrollieren, Schicksalsschläge wie Tod eines Verwandten, Jobverlust oder Krankheit können jeden unvorhersehbar treffen. Für nichts im Leben gibt es eine Garantie. Oft prüft uns das Leben und stellt uns Hindernisse in den Weg die es zu bewältigen gilt, so wie Prüfungen in der Schule. Das geht das ganze Leben so weiter. Wenn wir nicht bereit sind zu Lernen schubst uns das Leben immer wieder in Situation die gemeistert werden wollen. Nur so entwickeln wir uns weiter. Wer sich weigert zu lernen wird nicht in die nächste Klasse versetzt. Das worüber wir keine Kontrolle haben müssen wir akzeptieren. Dazu gehört auch das unausweichliche Ende unserer Existenz. Alt werden, Krankheit und Sterben gehören einfach zum Leben dazu. Das ist völlig natürlich und kein Problem. Auch im Angesicht einer schlimmen Diagnose oder des nahenden Todes können wir gelassen bleiben. Das ist Resilenz. Viele Menschen mit erheblichen Einschränkungen führen ein gutes, erfolgreiches Leben. Zum Beispiel Nick Vujicic. Er wurde ohne Beine und Arme geboren. Trotzdem reist er um die ganze Welt und macht Millionen Menschen Mut, gründete eine Familie mit 4 Kindern und macht sogar Sportarten wie das Surfen (sein Buch hat den Titel Life Without Limits) Nichts hält ihn auf. Oder nehmen Sie nur Stephen Hawking. Trotz schwerer Krankheit (Amyotrophische Lateralsklerose) machte er bahnbrechende Beiträge zur modernen Physik.
- Sinnhaftigkeit: Gibt es einen Sinn hinter dem wenn etwas schlimmes passiert? Meistens ja: Hohensee beschreibt in seinem Buch die Geschichte einer Frau deren Tochter durch einen alkoholisierten Autofahrer ums Leben kam. Ein schwerer Schlag. Allerdings gründete sie eine erfolgreiche Initiative die das Thema „Alkohol am Steuer“ thematisierte und sich beispielsweise für härtere Strafen einsetzt. So bekam die Tragödie einen Sinn. Mit meinem Blog ist es genauso. Seit 20 Jahren kämpfe ich mit Schizophrenie. Ohne diese Krankheit wäre ich nie auf den Gedanken gekommen den Blog oder mein Buch zu schreiben und anderen Menschen helfen zu wollen. All das Leid dass ich durchmachen musste, und das war sehr intensiv, bekommt einen Sinn. Gestern schrieb mir eine Forumsteilnehmerin zu einem meiner Beiträge dass er ihr „Mut und Hoffnung gebe“. Ist das nicht genial? Ich betrachte meine schlimmen Erfahrungen, von denen ich manche heute noch habe, als mein persönliches Trainingslager für mentale Gesundheit. Ich beobachte und dokumentiere ganze genau was in meinem Kopf auf dem Weg aus der Hoffnungslosigkeit in die geistige Gesundheit passiert. Daher mein Motto: „Die Seele will gesund werden“. Ich bin überzeugt davon. Wenn ich anderen Menschen helfen kann eine Hospitalisation zu vermeiden, eine bessere Einstellung herbeizuführen oder einfach nur einen mutmachenden Impuls zu geben, dann hat all das Erlittene einen Sinn. Dieser gibt mir Kraft und die Resilienz die ich brauche um meinen Alltag zu meistern. Wer ein „warum“ hat für den ist das „wie“ viel leichter erträglich.
- Improvisation: Hier geht es um Flexibiltät die uns gesund hält. Ein Bambus ist biegsam und passt sich den Gegebenheiten an, während etwas Starres bei Gegenwind brechen kann. Wasser fließt flexibel um Hindernisse herum. An meiner Hochschule habe ich eine Gruppe für Improvisationstheater gegründet und stand schon oft auf der Bühne. Es geht dabei um das „Ja-Sagen“, das Annehmen von Spielangeboten, das erschaffen von Geschichten und Situationen aus dem nichts, das Aufgeben von Kontrolle. Ohne Skript und ohne Plan, das ist psychische Flexibilität, Team-Work und Intuition auf dem höchsten Niveau. Improtheater als Kunstform ist nicht nur eine spannende und lustige Unterhaltung, es ist für die Schauspieler ein Riesenspaß und fördert die persönliche Entwicklung und eben Resilienz. Einen Impro-Spieler bringt nichts aus dem Konzept und aus der Ruhe, insbesondere Vorstellungsgespräche, Präsentationen und knifflige unvorhersehbare soziale Situationen. In diesen brilliert der Impro-Schauspieler mit seiner Kreativität. Er kann souverän in verschiedenste Rollen schlüpfen und lernt so die vielen Aspekte seines eigenen Charakters besser kennen. Das ist Persönlichkeitsentwicklung pur! Vielleicht gibt es auch Improgruppen in Ihrer Stadt. Schauen Sie sich doch mal eine Vorstellung an, das ist eine hervorragende Abendunterhaltung. Vielleicht werden sogar Workshops angeboten oder man kann in die Gruppe hineinschnuppern und mitmachen. Es lohnt sich. Wer improvisieren kann, ist flexibel und kann sich anpassen wenn etwas unvorhersehbares passiert. Im Impro sagen wir auch „Scheiter heiter“, das nimmt uns den Druck perfekt sein zu müssen und Risiken einzugehen. Scheitern ist erlaubt! Mit dieser Einstellung nimmt man sich selbst den Druck und brilliert damit um so mehr in allen möglichen Situationen. Ja-sagen ist auch ein „Ja“ zum Leben.
Fazit

Forrest Gump sagt im gleichnamigen Film:
„Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie was man bekommt.“
Seien Sie flexibel und nehmen Sie das Leben nicht so todernst. Es kommt wie es kommt. Freuen Sie sich über neue Herausforderungen in Ihrer Lebensschule. Akzeptieren Sie sauberes Leid als natürlichen Teil des Lebens und lassen Sie das schmutzige Leid einfach weg. Finden Sie das was Ihrem Leben einen Sinn verleiht. Am Ende zählt welchen positiven Effekt wir auf die Welt hatten und nicht welche Sorgen wir uns gemacht haben. Entdecken Sie die Freude am Improvisieren und schauen Sie sich doch mal eine Impro-Vorstellung an.